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Zweiter Weltkrieg

Diese Schlagwort ist 15 Beiträgen zugeordnet

Pierre Assouline: Die Kundin

Pierre Assouline taucht mit diesem Roman ein in das „Goldene Zeitalter der Denunziation“, das in Frankreich unter der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg ausgebrochen war. Diese Zusammenarbeit der Franzosen, sowohl staatlicher Stellen wie auch der von Privaten, mit den Deutschen, ist ein dunkles Kapitel der französischen Geschichte, ein Abschnitt, an den sich zu erinnern den Franzosen auch heute noch schwerfällt. Sie muss ein erhebliches Ausmaß angenommen haben, so dass die deutschen Behörden schon gar nicht mehr alles lasen, denn der Erzähler in Assoulines Geschichte findet bei seinen Recherchen massenhaft ungeöffnete Briefe von Franzosen an die Besatzungsbehörden. Weiterlesen

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Edgar Hilsenrath: Der Nazi & der Friseur

Es ist schon eine provozierende Konstellation, die der Autor für seinen Roman gewählt hat. Der Nazi & der Friseur: ein makabres Rollenspiel, in dem der Max Schulz die Hauptrolle innehat. Aber der Reihe nach… Im Mai 1907 wurden in einem kleinen schlesischen Städtchen, Wieshalle, zwei Jungen geboren, praktisch gleichzeitig: der Max Schulz und der Itzig Finkelstein. Noch spielt es zwar nicht die große Rolle (das sollte sich später dann ändern), aber so wie der kleine Itzig Finkelstein ein Jude war mit frommen jüdischen Eltern, war der ebenso kleine Max Schulz arisch bis ins x-te Glied, wie man es später nannte. Und auch ansonsten unterschieden sich die beiden Knaben…

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Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein

Hans Fallada, ein deutscher Dichter der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Manche seiner Buchtitel sind schon fast feste Begriffe im Sprachgebrauch wie Kleiner Mann – was nun? oder Wer einmal aus dem Blechnapf fraß, ob sie noch viel gelesen werden… ich wage es zu bezweifeln. Jedenfalls hat der Aufbau Verlag Anfang des Jahres das Originalmanuskript Falladas [1] zu seinem (auf Tatsachen beruhenden) Roman Jeder stirbt für sich allein herausgegeben und damit auch international einen Erfolg erzielt. Immerhin wird die NYT mit “Ein literarisches Großereignis” zitiert, keine schlechte Werbung also.

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Johannes Tuchel: Hedwig Porschütz

Einige Tausend Juden überlebten den Zweiten Weltkrieg in Berlin, Kulke [4] spricht von 1.700, die versteckt wurden, andere Quellen reden von 9.000 [7] Überlebenden. Dies zeigt zweierlei: Es war möglich, im Dritten Reich Zivilcourage und Menschlichkeit zu zeigen, und diese stille, leise, oft lebensrettende Art des Widerstands wurde auch geleistet. Viel zu wenig, in viel zu geringem Ausmaß, aber es gab sie. Es war ein Widerstand, der mit hohem persönlichem Risiko verbunden war, der über eine lange Zeit geleistet werden musste und durch den jeder Helfer natürlich selbst in das Schussfeld der Judenjäger geraten ist.

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Stephen Fry: Geschichte machen

Stephen Fry ist Cineasten sicher als Schauspieler bekannt, zum Beispiel aus Peter’s Friends oder als Oscar himself in Oscar Wilde. Das übrigens so perfekt, dass die leider eingegangene Wochenzeitung DieWoche damals titelte „Born to be Wilde“. Nun also Fry als Autor. Es geht um Zeitreisen, was ich gerne mag, vor allem wenn die Resultate diverser Eingriffe in die Vergangenheit intelligent erzählt werden. Wie in diesem Roman.

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Aharon Appelfeld: Tzili

Es ist Winter 1941. Die deutsche Wehrmacht und die SS sind auf dem Vormarsch nach Osten. Auch in einem kleinen Dorf irgendwo in Osteuropa spüren die Menschen, dass da etwas Gewaltiges auf sie zukommen wird. Insbesondere die jüdischen Einwohner des Dorfes haben große Angst, denn die Gerüchte über die Gräueltaten der Deutschen speziell an Juden eilen den Soldaten weit voraus. Als die Gefahr nicht mehr von der Hand zu weisen ist, entscheidet die Familie von Tzili Kraus, zu fliehen und das jüngste und ihrer Meinung nach dümmste Familienmitglied Tzili zur Bewachung des ärmlichen Hofes zurückzulassen. So schwer diese Entscheidung auch für die zehnjährige Tzili zu begreifen ist, sie wird dem jüdischen Mädchen das Leben retten.

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Wibke Bruhns: Meines Vaters Land

Familiengeschichten von der Kaiserzeit bis zum Dritten Reich gibt es viele, aber nur wenige sind so gut belegt wie die von den Klamroths. Wibke Bruhns ist ihrer eigenen Familiengeschichte auf die Spur gegangen und hat sich die Frage gestellt, wie involviert ihre Familie wirklich in die Verbrechen des Dritten Reiches war. Bruhns Aufzeichnung der Familiengeschichte ist zugleich eine Suche nach ihrem Vater. Dieser wurde 1944 in Plötzensee im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler am 22. Juni exekutiert. Sie war damals erst sechs Jahre und hat kaum Erinnerungen an ihn.

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Mirjam Pressler: Ein Buch für Hanna

Ich habe neulich eine Unterhaltung geführt, in der es darum ging, dass ich es ein wenig aus den Augen verloren habe, während des Lesens mitzufühlen. Ein Buch kann mich fesseln, berühren, traurig oder fröhlich stimmen, doch im Laufe der vielen Bücher, die ich gelesen und rezensiert habe, ist mir die Zeit, mich intensiv in die Figuren hineinzuversetzen, abhanden gekommen. Meine Art zu lesen ist analytischer geworden, denn ich fühle mit dem Abstand, den ein gewisses Maß an Objektivität einfordert. Ich weiß nicht, ob es Zufall ist, dass ich ausgerechnet jetzt, wenige Tage nach dieser Unterhaltung, Ein Buch für Hanna gelesen habe, denn eben jenes Buch hat mir gezeigt, dass mir das Mitfühlen noch nicht abhanden gekommen ist.

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Hans Keilson: Da steht mein Haus. Erinnerungen

Im April 2011 erschienen die Erinnerungen von Hans Keilson, des 1909 in Bad Freienwalde geborenen und 1936 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Niederlande geflohenen Arztes und Schriftstellers. Keilson, in Deutschland wohl nur literarisch interessierten Menschen bekannt, erlangte mit seinen Romanen internationale Aufmerksamkeit und wurde 2010 von der New York Times als „one of the world’s greatest writers“ gefeiert.

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Steve Sem-Sandberg: Die Elenden von Łódź

Sem-Sandberg erzählt in seinem Roman Die Elenden von Łódź die Geschichte dieses Ghettos anhand der Person ihres obersten Repräsentanten, des Vorsitzenden des Judenrates, des Ältesten, des Präses: Mordechai Chaim Rumkowski. Während das Warschauer Ghetto in die Geschichte eingegangen ist mit seinem Widerstand, der sich im blutigen Aufstand gegen die Besatzer manifestierte, beschritt Rumkowksi den anderen Weg, den der Anpassung: ein faustischer Pakt mit dem Teufel, den Rumkowski den Besatzern anbietet.

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W.G. Sebald: Austerlitz

Jacques Austerlitz ist ein Reisender, ein Beobachtender, ein Suchender, dem der namenlose Ich-Erzähler zum ersten Mal 1967 im Antwerpener Bahnhof begegnet, in einem Wartesaal mit dem ebenso wohlklingenden wie aussagekräftigen Namen Salle des pas perdus. Von da an treffen sie sich immer wieder, meist zufällig, an Orten des Wartens, in Bahnhöfen und Cafés. Nie reden sie über sich, nie über die Zufälligkeit ihrer Treffen, vielmehr referiert Austerlitz in stundenlangen Monologen über «baugeschichtliche Dinge», über Konstanten in der Geschichte der Architektur, über die Deutung und Bedeutung von architektonischen Formen. Erst dreißig Jahre nach ihrer ersten Begegnung erzählt Austerlitz von sich, von seiner Geschichte: der Geschichte einer Suche nach der eigenen Vergangenheit.

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Peter Härtling: Felix Guttmann

Kurz nach der Jahrhundertwende wird im Jahr 1906 in Breslau Felix Guttmann geboren. Er ist das einzige Kind eines liberalen jüdischen Tuchhändlers und seiner Frau, die es zu bescheidenem Wohlstand gebracht haben. Das Reglement im Haus ist streng, der Vater ist die unumstrittene Herrscherfigur, die Mutter spielt im Leben des Jungen kaum eine Rolle, tritt auch gegenüber dem Mann kaum in Erscheinung. In dieser Umgebung wird Felix groß, oder sagen wir richtiger, wächst er auf, denn groß wird er nicht, er bleibt ein schmächtiges Jüngelchen, das sich gegen die Spielkameraden im Hof kaum durchsetzen kann. Schlimm wird es, als 1914 der Weltkrieg ausbricht, der nachher der „Erste“ genannt werden sollte: Ihm kam die Rolle des Feindes zu, des Franzmanns, des Russen, weil er doch der Jud war, bei dessen Schwänzel etwas fehlt, so kreischen sie ihn an.

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Irène Némirovsky: Suite française

„Mein Gott, was tut dieses Land mir an?“ Irène Némirovsky war Kind gutsituierter Juden in Kiew, wo sie 1903 geboren wurde. Sie, die zu Hause ungeliebt war und vernachlässigt wurde, begann früh zu schreiben, in die Welt der Gedanken und Worte zu wechseln. In der russischen Oktoberrevolution 1918 nutzte die Familie die Gelegenheit zur Flucht, vorerst nach Finnland, später dann ließen sie sich in Paris nieder. Dort veröffentlichte Némirovsky Bücher und wurde zur anerkannten Schriftstellerin, die das Leben und die Gesellschaft liebte.

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Ursula Krechel: Shanghai fern von wo

Ein ausgezeichnetes Buch, inhaltlich wie stilistisch. Es geht um jüdische Emigranten, die sich in Shanghai niedergelassen habe, in der Hoffnung, endlich sicher zu sein. Wenn auch bitterarm. Mit zehn Reichsmark im Gepäck lässt sich nur unter schwierigsten Verhältnissen etwas aufbauen, was annähernd dem Begriff Existenz nahe kommt. Existieren, das ja, aber wie.

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Markus Zusaks: The Book Thief

Dreimal begegnet der Tod dem Mädchen inmitten der Wirren des Zweiten Weltkrieges, bevor er es lange Zeit später zu sich holt. Es ist neun Jahre alt, als der kleine Bruder stirbt – während der Zugfahrt, die die beiden Geschwister zu ihren Pflegeeltern nach Molching bei München bringen soll. Wenige Jahre später sieht das Mädchen mit an, wie ein über der Kleinstadt abgestürzter amerikanischer Pilot seinen Verletzungen unterliegt. Und schließlich fallen nahezu alle Bewohner der Himmelstraße – sie war das neue Zuhause des Mädchens – einem Fliegerangriff zum Opfer. Das Mädchen heißt Liesel, der Tod erzählt in The Book Thief ihre Geschichte.

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