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Auto/biographie

Diese Kategorie enthält 27 Beiträge

Waldtraut Lewin: Leo Baeck. Geschichte eine deutschen Juden

Er war wohl einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Judentums des 20. Jahrhunderts, der Rabbiner Leo Baeck, dessen Leben die Autorin Waldtraut Lewin in dieser beeindruckenden Romanbiographie eingefangen hat. In einem gelungenen Wechsel schiebt sie immer wieder dokumentarische Teile ein in die literarisch anspruchsvoll geschilderte Lebensgeschichte eines Mannes, der, als die Nazis 1933 an die Macht kommen, schon lange einer der einflussreichsten Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland war.

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Sima Vaisman: In Auschwitz

Sima Vaisman wurde 1903 in Bessarabien, dem heutigen Moldawien geboren. Nach einem Medizinstudium (Gynäkologie) in Bukarest wanderte sie anfangs der 1930er-Jahre nach Paris aus. Da sie nicht die nötigen Geldmittel zur Verfügung hatte, um nochmals Medizin zu studieren, arbeitete sie schließlich als Zahnärztin. 1930 heiratete sie Pinkas Vaisman, der 1937, gerade dreiunddreißigjährig, starb. Anfangs des Zweiten Weltkrieges flüchtete sie nach Lyon. Im Dezember 1943 wurde sie in Maçon verhaftet und im Januar 1944 nach Auschwitz deportiert.

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Ari Rath: Ari heißt Löwe. Erinnerungen

Die hier vorliegenden Erinnerungen von Ari Rath, eines 1925 in Wien geborenen Juden, der nach seiner Emigration 1938 nach Palästina über viele Jahre aktiv in der Kibbuzbewegung tätig war, sind eindrucksvoll und bewegend. Ab 1958 arbeitete er als Redakteur, ab 1975 dann als Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post, die unter seiner Leitung zu einer weltweit anerkannten und in ihrer politischen Haltung geschätzten englischsprachigen Zeitung in Israel wurde.

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Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen

Ich glaube, ein derartiges Buch las ich noch nie: Edmund de Waals Der Hase mit den Bernsteinaugen – Biographie, Autobiographie, Reisebuch, kunstgeschichtliche Spurensuche, Familiengeschichte, jüdisches Leben … Das Buch enthält eine solche Fülle an Themen, die mich noch dazu alle interessieren, dass es mich ganz und gar fesseln und begeistern konnte. Der Stil, weitgehend berichtend, ist dennoch einfühlsam und durchsetzt mit persönlichen Erinnerungen und Eindrücken des Autors.

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Ruth Klüger: weiter leben. Eine Jugend

Ruth Klüger wurde 1931 als Susanne Klüger in Wien geboren. Aus der ersten Ehe ihrer Mutter hatte sie einen älteren, in Prag lebenden Halbbruder, Ruth Klüger selbst stammt aus deren zweiter Ehe mit einem wiederum aus kinderreicher, armer Familie kommenden jungen Mann, der studiert und sich als Frauenarzt in Wien niedergelassen hat. Es ging ihnen gut. Doch die Zeiten änderten sich. Die Achtjährige, die angestrengt und Schlaf vortäuschend dem Getuschel der Erwachsenen lauscht, hört diese vom Tod reden. Von Buchenwald und von Hans, der zurückgekommen ist und schweigt über das, was dort passiert ist. Gefoltert hat man ihn und Folter ist etwas, was man im Leben nicht mehr hinter sich lässt.

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Ágnes Zsolt: Das rote Fahrrad

„Dem Publikum neue Werte aufzudrängen, die es nicht will, ist die wichtigste und schönste Mission des Verlegers.“ Mit diesem Diktum von Samuel Fischer aus dem Jahr 1859 als Motto geht ein neuer Verlag in Wien an die Öffentlichkeit. Er nennt sich Nischen Verlag und hat mit seinem ersten Programm drei Bücher publiziert aus der Geschichte Ungarns im 20. Jahrhundert.
Eines davon ist das vorliegende, 1949 zum ersten Mal in Ungarn veröffentlichte Tagebuch von Éva Heymann, der 13-jährigen Tochter von Ágnes Zsolt, die in zweiter Ehe mit dem berühmten ungarischen Schriftsteller und Politiker Bela Zsolt verheiratet war.

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Barbara Bronnen: Meine Väter

Ohne den ersten Versuch der Annäherung an ihren Vater (Das Monokel, 2000) auch nur an einer Stelle zu erwähnen, macht sich die Schriftstellerin Barbara Bronnen in dem nun bei Insel erschienenen Buch Meine Väter noch einmal auf die Reise zurück in ihre eigenen Familiengeschichte. Sie will herausfinden, warum sowohl ihr Vater als auch ihr Großvater ihr ganzes Leben lang auf der Flucht waren vor ihrer eigenen jüdischen Identität.

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Johannes Tuchel: Hedwig Porschütz

Einige Tausend Juden überlebten den Zweiten Weltkrieg in Berlin, Kulke [4] spricht von 1.700, die versteckt wurden, andere Quellen reden von 9.000 [7] Überlebenden. Dies zeigt zweierlei: Es war möglich, im Dritten Reich Zivilcourage und Menschlichkeit zu zeigen, und diese stille, leise, oft lebensrettende Art des Widerstands wurde auch geleistet. Viel zu wenig, in viel zu geringem Ausmaß, aber es gab sie. Es war ein Widerstand, der mit hohem persönlichem Risiko verbunden war, der über eine lange Zeit geleistet werden musste und durch den jeder Helfer natürlich selbst in das Schussfeld der Judenjäger geraten ist.

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Hilde Schramm: Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux

Dora Lux hat keinen Wikipedia-Eintrag. Recherchiert man im Internet über sie, wird man nicht fündig werden. Dabei ist das Leben dieser Frau nicht nur interessant, ihr Lebenslauf ist vor dem geschichtlichen Hintergrund wahrscheinlich einmalig. Dora Lux gehörte zu den ersten Abiturientinnen, als sie und ihre Schwester Annemarie 1901 die Schule in Berlin abschlossen. Anschließend waren Dora und Annemarie eine der ersten Frauen, die studieren konnten. Sie war auch eine der ersten wissenschaftlich ausgebildeten Lehrerinnen in Deutschland.

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Silvia Tennenbaum: Straßen von gestern

Silvia Tennenbaums Roman Straßen von gestern wurde bereits in den frühen 80er Jahren veröffentlicht. 2012 hat sich der Schöffling & Co. Verlag dazu entschieden, es noch einmal in einer Neuauflage zu veröffentlichen. Der Hauptgrund für diese Entscheidung war, dass der Roman Teil des Projekts „Frankfurt liest ein Buch“ wurde. Silvia Tennenbaum erzählt die Geschichte der Familie Wertheim, und es gelingt ihr auf beinahe 700 Seiten ein Panorama zu entwerfen, das sich von 1903 bis 1945 erstreckt.

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Jorge Semprún: Die große Reise

Eigentlich wollte ich die Vorstellung des Buches von Semprún [12] in etwa wie folgt beginnen: Das Buch handelt von den Erinnerungen eines jungen Mannes an eine lange Eisenbahnreise in einem überfüllten Waggon. Während dieser langen, langweiligen und unbequemen Reise kommen ihm Gedanken an seine Vergangenheit, die noch nicht reich an Jahren, jedoch an Ereignissen ist. Er erzählt diese Reise aus der Rückschau, sechzehn Jahre nachdem er sie getätigt hat, und so flicht er auch die Begebnisse ein, die sich am Ende der Reise, das inmitten Deutschlands lag, ereigneten. – Aber das würde dem Buch und dem Inhalt nicht gerecht werden. Also fange ich noch einmal von vorne an…

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Jürg Amann: Der Kommandant

Jürg Amann, der Schweizer Schriftsteller, dem Marcel Reich- Ranicki einmal „virtuose Beschränkung auf die genaue Beschreibung“ attestiert hat, überzeugte vor wenigen Monaten erst mit seinem kleinen Buch Die Reise zum Horizont. In knappen Kapiteln mit einer sehr nüchternen und unprätentiösen Sprache ging Jürg Amann dort einem tatsächlichen Geschehen nach. In dem Buch Der Kommandant hingegen hat er kein einziges Wort selbst verfasst. In einer editorischen Notiz am Ende des Buches schreibt er jedoch: „Angesichts der Wirklichkeit ist alles Erfinden obszön. Vor allem da, wo man die Wirklichkeit haben kann. Auch wenn sie immer wieder geleugnet wird“. Weiterlesen

Gad Granach: Heimat los! Aus dem Leben eines jüdischen Emigranten

Dieses hervorragende Buch basiert auf Gesprächen mit Gad Granach, die Hilde Recher, Henryk M. Broder und Michael Bergmann geführt haben, und bewahrt den Charme, den trockenen Humor und den gesunden Menschenverstand Granachs aufs Schönste. Gad Granach ist der Sohn des Schauspielers Alexander Granach und der bürgerlichen, politisch engagierten Martha.

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Eva Menasse: Vienna

Es ist ein immerhin weit über 400 Seiten starkes Buch, das Eva Menasse hier vorgelegt hat und als Roman bezeichnet, als Roman aber, der stark vom Biographischen modelliert ist, wie sie es im Interview ausführlich erklärt. Man könnte es natürlich auch genau andersherum beschreiben, es ist eine Familiengeschichte, die durch Verfremdungen und Verschleierungen zum Roman umgedichtet wurde. Letztlich bleibt es aber egal, Vienna behandelt die Geschichte eines Familienclans mit halbjüdisch/halbkatholischen Wurzeln in Wien.

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Amir Gutfreund: Unser Holocaust

Es sind die sechziger Jahre, die Nachbarskinder Amir und Effi wachsen in einer Vorortsiedlung von Haifa auf, die von Holocaust-Überlebenden bevölkert ist. Kein Wunder, dass auf dem Leben hier eine bedrückende Schwere lastet, die auch Amir und Effi spüren, ohne dass sie begreifen, wo ihr Ursprung liegt. Amirs Großvater Lolek hat den anderen Alten des Viertels verboten, in Gegenwart der Kinder über ihre Erlebnisse zu reden, doch sobald er fort ist, werden die Geschichten trotzdem erzählt, von dort – als sei der Holocaust, den die Erwachsenen immer nur «den Krieg» nennen, ein ferner Ort. In keinem Fall aber Vergangenheit.

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