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Diese Kategorie enthält 16 Beiträge

Waldtraut Lewin: Leo Baeck. Geschichte eine deutschen Juden

Er war wohl einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Judentums des 20. Jahrhunderts, der Rabbiner Leo Baeck, dessen Leben die Autorin Waldtraut Lewin in dieser beeindruckenden Romanbiographie eingefangen hat. In einem gelungenen Wechsel schiebt sie immer wieder dokumentarische Teile ein in die literarisch anspruchsvoll geschilderte Lebensgeschichte eines Mannes, der, als die Nazis 1933 an die Macht kommen, schon lange einer der einflussreichsten Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland war.

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Ari Rath: Ari heißt Löwe. Erinnerungen

Die hier vorliegenden Erinnerungen von Ari Rath, eines 1925 in Wien geborenen Juden, der nach seiner Emigration 1938 nach Palästina über viele Jahre aktiv in der Kibbuzbewegung tätig war, sind eindrucksvoll und bewegend. Ab 1958 arbeitete er als Redakteur, ab 1975 dann als Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post, die unter seiner Leitung zu einer weltweit anerkannten und in ihrer politischen Haltung geschätzten englischsprachigen Zeitung in Israel wurde.

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Katinka Zeuner: Jalda und Anna

„Es darf Spaß machen, jüdisch zu sein“, sagt Jalda zu Beginn des Films. Und fügt hinzu: „Das ist jetzt sehr verkürzt formuliert. Der Weg, der dazwischen liegt, war heftig.“ Diesen Weg haben die Filmemacher Katinka Zeuner und Benjamin Laser zweieinhalb Jahre begleitet. Die Künstlerinnen Jalda Rebling und Anna Adam leben zusammen in Berlin Prenzlauer Berg. Sie sind beide Jüdinnen. Und sie sind die „erste Generation danach“, Töchter von Frauen, die Auschwitz überlebten. Dies hat ihr Leben und ihr Gefühl zum Jüdischsein zutiefst geprägt. Judentum war für sie von klein auf verbunden mit Verlust, Schwere und ungelebter Trauer.

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Ágnes Zsolt: Das rote Fahrrad

„Dem Publikum neue Werte aufzudrängen, die es nicht will, ist die wichtigste und schönste Mission des Verlegers.“ Mit diesem Diktum von Samuel Fischer aus dem Jahr 1859 als Motto geht ein neuer Verlag in Wien an die Öffentlichkeit. Er nennt sich Nischen Verlag und hat mit seinem ersten Programm drei Bücher publiziert aus der Geschichte Ungarns im 20. Jahrhundert.
Eines davon ist das vorliegende, 1949 zum ersten Mal in Ungarn veröffentlichte Tagebuch von Éva Heymann, der 13-jährigen Tochter von Ágnes Zsolt, die in zweiter Ehe mit dem berühmten ungarischen Schriftsteller und Politiker Bela Zsolt verheiratet war.

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Alexa Karolinski: Oma & Bella

Die Küche ist so winzig, dass die zwei Frauen sich kaum bewegen können. Und doch kochen sie hier stets gemeinsam. Eine schneidet beflissen die Möhren und Zwiebeln, während die andere die vorbereiteten Zutaten in der Pfanne anbrät. Regina Karolinski (85) und Bella Katz (89) leben in einer Art Wohngemeinschaft. Ihr hohes Alter ist dabei kein Hindernis, sondern eher noch das Motiv des Zusammenlebens – die Entscheidung, in einer gewissen Rüstigkeit für sich zu sorgen und aufeinander zu achten. Oma & Bella ist vordergründig als ein Film über Freundschaft zu betrachten. Die Dokumentation Alexa Karolinskis, ihrerseits Enkelin von Regina, feierte bei der diesjährigen Berlinale Premiere in der Reihe „Das Kulinarische Kino“.

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Johannes Tuchel: Hedwig Porschütz

Einige Tausend Juden überlebten den Zweiten Weltkrieg in Berlin, Kulke [4] spricht von 1.700, die versteckt wurden, andere Quellen reden von 9.000 [7] Überlebenden. Dies zeigt zweierlei: Es war möglich, im Dritten Reich Zivilcourage und Menschlichkeit zu zeigen, und diese stille, leise, oft lebensrettende Art des Widerstands wurde auch geleistet. Viel zu wenig, in viel zu geringem Ausmaß, aber es gab sie. Es war ein Widerstand, der mit hohem persönlichem Risiko verbunden war, der über eine lange Zeit geleistet werden musste und durch den jeder Helfer natürlich selbst in das Schussfeld der Judenjäger geraten ist.

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Hilde Schramm: Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux

Dora Lux hat keinen Wikipedia-Eintrag. Recherchiert man im Internet über sie, wird man nicht fündig werden. Dabei ist das Leben dieser Frau nicht nur interessant, ihr Lebenslauf ist vor dem geschichtlichen Hintergrund wahrscheinlich einmalig. Dora Lux gehörte zu den ersten Abiturientinnen, als sie und ihre Schwester Annemarie 1901 die Schule in Berlin abschlossen. Anschließend waren Dora und Annemarie eine der ersten Frauen, die studieren konnten. Sie war auch eine der ersten wissenschaftlich ausgebildeten Lehrerinnen in Deutschland.

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Tanja Grinberg: Jew.De.Ru

Das Jüdische Filmfestival Berlin & Potsdam 2012 endet am Sonntag, dem 17. Juli, mit zwei Filmvorstellungen im Kino Toni in Berlin Weißensee. Eine davon war der Dokumentarfilm Jew.De.Ru von Tanja Grinberg. Schon der Trailer machte neugierig, denn man schwankt doch zwischen Belustigung und Schock. Zu Beginn des Filmes werden drei Fragen gestellt: Was verbindet ihr mit dem Begriff „Juden“? Wie viel Juden leben heute in Deutschland? Was sind jüdische Kontingentflüchtlinge? Bereits hier fühlt sich der Zuschauer mit dem Fakt konfrontiert, dass im Geschichtsunterricht zwar oft über die Zeit des Holocaust gesprochen wird, aber oftmals nicht über die jüdische Geschichte und erst recht nicht über gelebte, jüdische Gegenwart.

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Literatur gehört zum Mobiliar in meinem Kopf – Lesung mit Ruth Klüger

Am 18. Juni war Ruth Klüger in Bremen und hat im Haus der Wissenschaft aus weiter leben und unterwegs verloren vorgelesen; organisiert wurde die Lesung vom IFKUD, dem Institut für kulturwissenschaftliche Deutschlandstudien. Besonders schön fand ich, dass – trotz Fußballs – der Andrang enorm war. Noch kurz vor Beginn der Lesung mussten weitere Stuhlreihen angebaut … Weiterlesen

Jürg Amann: Der Kommandant

Jürg Amann, der Schweizer Schriftsteller, dem Marcel Reich- Ranicki einmal „virtuose Beschränkung auf die genaue Beschreibung“ attestiert hat, überzeugte vor wenigen Monaten erst mit seinem kleinen Buch Die Reise zum Horizont. In knappen Kapiteln mit einer sehr nüchternen und unprätentiösen Sprache ging Jürg Amann dort einem tatsächlichen Geschehen nach. In dem Buch Der Kommandant hingegen hat er kein einziges Wort selbst verfasst. In einer editorischen Notiz am Ende des Buches schreibt er jedoch: „Angesichts der Wirklichkeit ist alles Erfinden obszön. Vor allem da, wo man die Wirklichkeit haben kann. Auch wenn sie immer wieder geleugnet wird“. Weiterlesen

Gad Granach: Heimat los! Aus dem Leben eines jüdischen Emigranten

Dieses hervorragende Buch basiert auf Gesprächen mit Gad Granach, die Hilde Recher, Henryk M. Broder und Michael Bergmann geführt haben, und bewahrt den Charme, den trockenen Humor und den gesunden Menschenverstand Granachs aufs Schönste. Gad Granach ist der Sohn des Schauspielers Alexander Granach und der bürgerlichen, politisch engagierten Martha.

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Lizzie Doron auf der Leipziger Buchmesse 2012

Bei meinem Besuch auf der Leipziger Buchmesse traf ich auch die israelische Schriftstellerin Lizzie Doron, die fast jedes Jahr in Leipzig ist und ihre Bücher vorstellt und ganz nebenbei ihr halbes Leben Revue passieren lässt. Und jedes Mal erfährt man ein bisschen mehr, da auch sie noch immer auf der Suche nach der ganzen Wahrheit über ihre Familie ist.

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Wibke Bruhns: Meines Vaters Land

Familiengeschichten von der Kaiserzeit bis zum Dritten Reich gibt es viele, aber nur wenige sind so gut belegt wie die von den Klamroths. Wibke Bruhns ist ihrer eigenen Familiengeschichte auf die Spur gegangen und hat sich die Frage gestellt, wie involviert ihre Familie wirklich in die Verbrechen des Dritten Reiches war. Bruhns Aufzeichnung der Familiengeschichte ist zugleich eine Suche nach ihrem Vater. Dieser wurde 1944 in Plötzensee im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler am 22. Juni exekutiert. Sie war damals erst sechs Jahre und hat kaum Erinnerungen an ihn.

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Hans Keilson: Da steht mein Haus. Erinnerungen

Im April 2011 erschienen die Erinnerungen von Hans Keilson, des 1909 in Bad Freienwalde geborenen und 1936 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Niederlande geflohenen Arztes und Schriftstellers. Keilson, in Deutschland wohl nur literarisch interessierten Menschen bekannt, erlangte mit seinen Romanen internationale Aufmerksamkeit und wurde 2010 von der New York Times als „one of the world’s greatest writers“ gefeiert.

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Andrea von Treuenfeld: In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel

Andrea von Treuenfeld, geb. 1957, hat in Münster Publizistik und Germanistik studiert und nach einem Volontariat bei einer Tageszeitung lange als Kolumnistin, Korrespondentin und Redakteurin für namhafte Printmedien, darunter Welt am Sonntag und Wirtschaftswoche, gearbeitet. Heute lebt sie in Hamburg und schreibt als freie Journalistin Biografien und Reportagen mit dem Schwerpunkt Israel, das sie regelmäßig bereist, seit sie Ende der siebziger Jahre zum ersten Mal in einem Kibbuz lebte und dort Menschen traf, die aus Nazideutschland geflohen waren.

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