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caterina

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caterina hat geschrieben 10 Beiträge für Jüdische Lebenswelten

Iris Hanika: Das Eigentliche

Es gibt Bücher, die lassen dich mit unzähligen Fragen zurück. Die lösen in dir etwas aus, ohne dass du dieses Etwas greifen kannst. Bücher, die dich regelrecht sprachlos machen; du willst etwas über sie sagen, aber du weißt nicht, was. Oder wie. Dabei scheinen sie dich geradezu aufzufordern, den Mund aufzumachen und Stellung zu beziehen. Das Eigentliche der deutschen Schriftstellerin Iris Hanika, deren Debütroman Treffen sich zwei 2008 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gewählt wurde, ist ein solches Buch. Es hat nichts Geringeres als das Gedenken an die Verbrechen der Nationalsozialisten zum Gegenstand, und obwohl ich mich mit diesem Thema schon auf vielfältige Weise befasst habe, fällt mir der Zugang zu diesem Text schwer. Und noch schwerer fällt es mir, meine Leseeindrücke in die wohlgeordnete Form einer Rezension zu bringen.

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Astrid Rosenfeld: Adams Erbe

Unzählige Geschichten des Holocaust wurden bereits geschrieben, und Jahr für Jahr erscheinen neue Romane, die sich – irgendwo auf dem Kontinuum zwischen (Auto-)Biographie und Fiktion – der Judenverfolgung im nationalsozialistischen Regime widmen. Angesichts dieser Fülle an Geschichten scheint es kaum vorstellbar, dass es noch immer möglich ist, etwas Neues zu erzählen, auf neuartige Weise. Dass es dennoch möglich ist, zeigt Astrid Rosenfeld mit ihrem wundervollen, erfrischenden Debüt Adams Erbe.

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Amir Gutfreund: Unser Holocaust

Es sind die sechziger Jahre, die Nachbarskinder Amir und Effi wachsen in einer Vorortsiedlung von Haifa auf, die von Holocaust-Überlebenden bevölkert ist. Kein Wunder, dass auf dem Leben hier eine bedrückende Schwere lastet, die auch Amir und Effi spüren, ohne dass sie begreifen, wo ihr Ursprung liegt. Amirs Großvater Lolek hat den anderen Alten des Viertels verboten, in Gegenwart der Kinder über ihre Erlebnisse zu reden, doch sobald er fort ist, werden die Geschichten trotzdem erzählt, von dort – als sei der Holocaust, den die Erwachsenen immer nur «den Krieg» nennen, ein ferner Ort. In keinem Fall aber Vergangenheit.

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Georges Perec: W oder Die Kindheitserinnerung

Das Buch vereint zwei Geschichten, die sich in sehr kurzen Kapiteln abwechseln und scheinbar keinen Bezug zueinander haben. Auf der einen Seite die ‚autobiographische’ Erzählung des Autors Georges Perec, der von sich behauptet, keine Erinnerung an seine Kindheit zu haben, und der diese verlorene Kindheit anhand von Fotografien, Dokumenten und den wenigen Erinnerungen, die ihm geblieben sind oder die nun während des Schreibens zurückkehren, zu rekonstruieren versucht.

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W.G. Sebald: Austerlitz

Jacques Austerlitz ist ein Reisender, ein Beobachtender, ein Suchender, dem der namenlose Ich-Erzähler zum ersten Mal 1967 im Antwerpener Bahnhof begegnet, in einem Wartesaal mit dem ebenso wohlklingenden wie aussagekräftigen Namen Salle des pas perdus. Von da an treffen sie sich immer wieder, meist zufällig, an Orten des Wartens, in Bahnhöfen und Cafés. Nie reden sie über sich, nie über die Zufälligkeit ihrer Treffen, vielmehr referiert Austerlitz in stundenlangen Monologen über «baugeschichtliche Dinge», über Konstanten in der Geschichte der Architektur, über die Deutung und Bedeutung von architektonischen Formen. Erst dreißig Jahre nach ihrer ersten Begegnung erzählt Austerlitz von sich, von seiner Geschichte: der Geschichte einer Suche nach der eigenen Vergangenheit.

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Jüdische Friedhöfe in Frankfurt

Frankfurt verfügt über drei größere, für Besucher zugängliche Friedhöfe, von denen die zwei neueren, die beide an den Frankfurter Hauptfriedhof grenzen, in der folgenden Fotogalerie zu sehen sind. Während der alte Friedhof in der Rat-Beil-Straße einen gewissen Charme ausstrahlt dank der moosbedeckten, schiefen, teils beschädigten, teils umgestürzten Grabdenkmäler, die manches Mal wie beliebig verstreut wirken, fällt der Neue Jüdische Friedhof durch seine Geradlinigkeit, seine aufgeräumte Ordentlichkeit auf.

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Julya Rabinowich: Spaltkopf

Julya Rabinowichs Debütroman Spaltkopf, zuerst 2008 bei edition exil erschienen und nun vom Wiener Verlag Deuticke neu herausgegeben, erzählt die Geschichte von Mischka, Tochter russisch-jüdischer Künstlereltern aus Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, die ihrem Staat gegenüber nicht die nötige Ehrerbietung und Treue erbringen können. Dass sie «vom Zweifel angekränkelt» sind, davon weiß und begreift ihre Tochter Mischka nichts, als sie mit sieben ein Flugzeug besteigt und glaubt, mit der Familie den Urlaub in Litauen zu verbringen. Doch nicht in Litauen landen sie, sondern in Wien: ihrem neuen Zuhause.

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Unexpected Israel

In diesen Tagen findet in Mailand ein Veranstaltungszyklus mit dem Titel «Unexpected Israel» statt, der unter anderem den Schriftsteller David Grossman als Gastsprecher begrüßte. Begleitet wird diese Initiative von einer multimedialen Ausstellung auf dem Domplatz sowie von Fotografien, die die Via Dante in Richtung Castello Sforzesco säumen. Doch statt sich kritisch mit dem Status der Nation auseinanderzusetzen, vermitteln diese beiden Ausstellungen den Eindruck, als sei die Absicht der Initiative einzig die Förderung des Tourismus.

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H. G. Adler: Panorama

Roman in zehn Bildern lautet der Untertitel von H. G. Adlers Werk. Im Vorbild «Der Besuch im Panorama» begibt sich Josef Kramer gemeinsam mit seiner Großmutter in ein Panorama, einen Laden, in dessen Hinterzimmer Fotografien von fernen Orten, Meeren, Gebirgen projiziert werden. Und wie vor den Augen des Jungen die Bilder im Guckkasten vorbeiziehen, er sich in die fremden Welten hineinversetzt fühlt, sie anfassen, riechen, schmecken möchte und sich doch nicht rühren darf, um nicht die anderen Zuschauer zu stören, so zieht sein Leben in zehn Bildern am Leser vorbei, mal ergreifend, mal derart entrückt vom Protagonisten, dass sie vielmehr wie das Porträt einer Gesellschaft erscheinen als die Geschichte eines Lebensweges.

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Markus Zusaks: The Book Thief

Dreimal begegnet der Tod dem Mädchen inmitten der Wirren des Zweiten Weltkrieges, bevor er es lange Zeit später zu sich holt. Es ist neun Jahre alt, als der kleine Bruder stirbt – während der Zugfahrt, die die beiden Geschwister zu ihren Pflegeeltern nach Molching bei München bringen soll. Wenige Jahre später sieht das Mädchen mit an, wie ein über der Kleinstadt abgestürzter amerikanischer Pilot seinen Verletzungen unterliegt. Und schließlich fallen nahezu alle Bewohner der Himmelstraße – sie war das neue Zuhause des Mädchens – einem Fliegerangriff zum Opfer. Das Mädchen heißt Liesel, der Tod erzählt in The Book Thief ihre Geschichte.

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