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Lizzie Doron auf der Leipziger Buchmesse 2012

Bei meinem Besuch auf der Leipziger Buchmesse traf ich auch die israelische Schriftstellerin Lizzie Doron, die fast jedes Jahr in Leipzig ist und ihre Bücher vorstellt und ganz nebenbei ihr halbes Leben Revue passieren lässt. Und jedes Mal erfährt man ein bisschen mehr, da auch sie noch immer auf der Suche nach der ganzen Wahrheit über ihre Familie ist.

Schon oft hat sie die Geschichte erzählt, wie zum Schreiben gekommen ist, aber für meine Leser wiederhole ich sie sehr gern. In Israel müssen alle Schüler eine Arbeit über ihre Familie schreiben. Da ihre 14-jährige Tochter besonders ehrgeizig war, löcherte sie ihre Mutter unentwegt mit Fragen. Das Problem war nur, das Lizzie nichts über ihre Familie wusste, da ihre eigene Mutter ein Leben lang geschwiegen hat. Sie nahm sich eine dreimonatige Auszeit für Recherchen und schrieb ihre Erinnerungen für sich und ihre Tochter nieder.

Nach Beendigung gab sie die Aufzeichnungen ihrer Assistentin an der Universität zum Lesen. Diese wiederum war so ergriffen von der Geschichte, dass sie Lizzie zu überreden versuchte, die Texte an einen Verlag zu schicken. Da Lizzie sich weigerte, veranlasste es die Assistentin hinter ihrem Rücken. Zwei Tage später riefen schon die ersten Verlage an. Aber es half nichts: Lizzie wollte nicht veröffentlichen. Einige Tage später klingelte das Telefon erneut: eine Verlegerin (eine Überlebende der Shoa), die die Autorin dieser Zeilen unbedingt kennenlernen wollte. Als Lizzie dann bei der Begrüßung die Tätowierung auf ihrem Arm sah, konnte sie nicht mehr Nein sagen. So erschien bereits drei Monate später ihr erstes Buch.

Sie arbeitete zunächst weiter an der Universität, aber nach einem Jahr meldeten sich die ersten ausländischen Verlage. Auf die Frage des deutschen Verlages, wie viele Bücher sie denn vorhat zu schreiben, antwortete die jüdische Autorin: „Sechs – für jede Million ein Buch!“. Jedoch kann sie jetzt schon sagen, dass es mehr als sechs werden, da sie momentan schreibt und schreibt und schreibt. Über ihr neues Buch Das Schweigen der Mutter hatte sie natürlich auch viel Interessantes zu berichten. Davon erzähle ich euch aber erst in meiner Rezension.

Ich habe Lizzie Doron live aufgenommen, als sie gerade auf Hebräisch sprach, weil viele die Sprache als besonders schön empfinden. Vielleicht versteht es ja der eine oder andere. Sie spricht ansonsten Englisch, versteht aber auch sehr gut Deutsch. Das Video ist hier zu sehen.

Der Beitrag wurde von Vera verfasst, herzlichen Dank dafür! Veras Blog ist das Glasperlenspiel13.

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