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Erinnerungsorte, Friedhöfe

Jüdische Friedhöfe in Frankfurt

Frankfurt verfügt über drei größere, für Besucher zugängliche Friedhöfe, von denen die zwei neueren, die beide an den Frankfurter Hauptfriedhof grenzen, in der Galerie zu sehen sind. Der älteste jüdische Friedhof der Stadt (und nach Worms der zweitälteste Deutschlands) liegt im Zentrum und wird ein andermal mit der Kamera aufgesucht.

Die ersten Fotos zeigen den 1828 angelegten Friedhof in der Rat-Beil-Straße 10, dessen klassizistisches Portal nach Plänen des Architekten Fritz Rumpf erbaut wurde. Die hebräische Inschrift über dem Eingang lautet: «Wer geraden Weges wandelt, ziehe in Frieden, dorthin, wo sie auf ihren Lagern ruhen» (Jesaja 57,2). Zahlreiche Frankfurter Persönlichkeiten sind auf dem Friedhof beigesetzt, darunter Anhänger der Familie Rothschild, der wohl bekannteste jüdische Maler Frankfurts Moritz Daniel Oppenheim (1799-1882), der Medizin-Nobelpreisträger Paul Ehrlich (1854-1915), die Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim (1859-1936) sowie der Begründer der Frankfurter Zeitung (heute FAZ) Leopold Sonnemann (1831-1909).

Auf den letzten fünf Fotos ist der 1928 eröffnete und noch heute genutzte Friedhof in der Eckenheimer Landstraße 238 abgebildet. Der Vorplatz und die angrenzenden Friedhofsgebäude wurden im Stil der neuen Sachlichkeit von Regierungsbaumeister Fritz Nathan erbaut. Das Hauptportal trägt die hebräische Inschrift: «Die in Geradheit gewandelt, kommen zum Frieden und ruhen auf ihren Lagern» (Psalm 116.9). Im vorderen Bereich des Friedhofs befindet sich das Ehrenmal für die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Frankfurter Juden. An der mittleren Hauptachse, die mit einer Menora abgeschlossen ist, befinden sich die Gräber der in den Jahren 1938 bis 1942 durch Freitod verstorbenen Mitglieder der Frankfurter Israelitischen Gemeinde.

Während der Friedhof in der Rat-Beil-Straße einen gewissen Charme ausstrahlt dank der moosbedeckten, schiefen, teils beschädigten, teils umgestürzten Grabdenkmäler, die manches Mal wie beliebig verstreut wirken, fällt der Neue Jüdische Friedhof durch seine Geradlinigkeit, seine aufgeräumte Ordentlichkeit auf. Das streng geometrische, etwas düster anmutende Eingangsportal in braunem Klinkerstein sowie die neuen, in kaltem Schwarz glänzenden Steine strahlen eine Modernität aus, die zunächst nichtssagend und irgendwie unvereinbar mit der Vorstellung eines jüdischen Friedhofs scheint. Doch schon nach wenigen Schritten stößt man auf das Ehrendenkmal und – entlang der zentralen Allee – auf all die Gräber mit den immer wiederkehrenden Jahreszahlen: 1937, 1938… 1942. Nahezu bedrückend sind die akkuraten Reihen, deren identischen Grabsteine stumm auf eine Leerstelle verweisen, darauf, dass hier vermutlich kein persönliches Begräbnis im Beisein der Angehörigen stattgefunden hat, sondern den Verstorbenen und Verschollenen nachträglich ein Denkmal gesetzt wurde.

Quelle: Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main.

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