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Hintergründe

Zum Überleben der Juden in Albanien

Albanien, dieses versteckte Land auf dem Balkan, mit dem Versuch Hitlers, die Juden auszurotten, in Verbindung zu bringen, ist nicht gerade geläufig. Um so überraschender, wenn man unerwartet auf ein paar Informationen zu dem Thema stößt.

So erzählt Anilda Ibrahimi in ihrem Roman Rot wie eine Braut von einer kleinen jüdischen Gemeinde in der Stadt Vlora, die – zu ihrem Erstaunen – keine Synagoge hatte.

„Du rechnest wie die Cifut“ hörte ich in meiner Kindheit sagen. Oder: „Zum Glück haben wir Enver Hoxha, sonst müßten wir ruhelos durch die Welt ziehen wie die Cifut!“. … in jenen Jahren galt es als Enver Hoxhas Verdienst, daß die Vernichtung bei uns fehlgeschlagen war.“

Zwar wurde offensichtlich der Besitz der aus Griechenland, Bulgarien und Jugoslawien stammenden Juden konfisziert, aber die Auslieferung an die Nazis unterblieb, da es nach Auskunft der Albaner einfach keine Juden gab, noch es je welche gegeben hätte. In den Listen, die die Deutschen überprüften, fand sich tatsächlich kein jüdischer Name, alle Davids waren zu Dauts geworden, alle Saras zu Saraijes… Nach dem Krieg blieben sie im Land und nahmen ihre alten Namen wieder an, sie hatten überlebt, auch wenn sie nun in einem großen Lager namens „Albanien“ eingesperrt waren.

Ibrahimi hebt die Ruhe der Juden hervor, ihre rücksichtsvolle Art des Zusammenlebens und die Tatsache, dass die Frauen nie geschlagen wurden. In der Tat, für albanische Verhältnisse eine bemerkenswerte Verhaltensweise…

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Diskussionen

4 Gedanken zu “Zum Überleben der Juden in Albanien

  1. Hochinteressant, lieber Flattersatz! Darüber hatte ich bislang auch noch nichts gehört.
    Liebe Grüße
    Petra

    Verfasst von Petra Gust-Kazakos | 13. August 2011, 18:26
    • Vielleicht hätte ich noch erwähnen sollen, daß Ibrahimi den Begriff „Cifut“ als abwertend erläutert.

      dir auch liebe grüße zurück!
      fs

      Verfasst von flattersatz | 14. August 2011, 13:45
  2. Ich finde es ganz furchtbar, wie Du hier ein Land, das scheinbar den Mut aufbrachte, sich gegen ein solches Regime zu wehren – wobei das wohl eher auf die Bevölkerung denn auf die Regierung zutraf – als „Lager“ bezeichnest.

    Verfasst von pëll | 17. Oktober 2011, 03:21
    • Die Autorin drückt die Situation, die ich mit dem Begriff „Lager“ bezeichnete (und immer noch bezeichne) folgendermassen aus: „… Das Land wurde abgeriegelt, und sie [i.e. die Juden] blieben drin. Sie waren eingesperrt, aber sie lebten.“ [S. 293].

      Es wäre an dir, mir zu zeigen, inwieweit die Verwendung des Begriffs „Lager“ z.B. in Bezug auf Kriterien wie Reisemöglichkeiten, Berufswahl, Redefreiheit, Pressefreiheit, Recht zur Meinungsäußerung etc pp unter Hodscha so falsch ist, daß man ihn „furchtbar“ finden muss. Ich denke, die Verhältnisse in dem Land waren furchtbar und nicht der Begriff, unter dem man sie zusammenfassen kann.

      Verfasst von flattersatz | 17. Oktober 2011, 07:31
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