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Jüdisches Museum Frankfurt: Ganz rein!

In der Dependence Museum Judengasse des Jüdischen Museums in Frankfurt wird bis Oktober die Ausstellung:

Ganz rein!
Jüdische Ritualbäder. Fotos von Peter Seidel
Das Mikwenprojekt. Fotos von Janice Rubin, Texte von Leah Lax

gezeigt [1, 2].

Die Mikwe ist ein Ritualbad, in das die Frauen nach der Menstruation, nach einer Geburt oder auch vor der Hochzeit gingen, um sich dort durch Untertauchen symbolisch zu reinigen. Es durfte nur lebendiges, das meint, fließendes Wasser in der Mikwe verwendet werden. Das führte zum Beispiel in einer der größten in Deutschland erhaltenen Mikwen, in Friedberg (Hessen), dazu, dass ein 25 m tiefer Schacht gegraben werden musste, bis der Grundwasserspiegel erreicht war.

Die Friedberger Mikwe [3] habe ich vor einigen Jahren selber mehr oder weniger zufällig kennengelernt, als ich beim Spaziergang durch das kleine Städtchen in der Altstadt an dem kleinen Gebäude, in dem sie untergebracht ist, vorbei kam – und gottseidank hineinging. Man betritt einen Raum, der senkrecht in die Tiefe führt, unten, am Boden, erkennt man eine spiegelnde Oberfläche. An den Seiten sieht man, zum Teil in die Wand eingelassen, von ferne an Zeichnungen Eschers erinnernd, den Treppengang, der nach unten zur Wasseroberfläche führt. Es ist kühl in diesem „Schacht“, das Hinuntergehen der Treppe vermittelt das Gefühl, die oberflächliche Welt zu verlassen und eine andere, tiefer gelegene zu betreten. Es ist aber auch ein fröhlicher Ort, ich konnte es mir gut vorstellen, die Stimmen der Frauen, ihr Hinabsteigen, den feierlichen Moment des Untertauchens, das leichte Prusten beim Auftauchen mit dem Auswischen der Augen…. Die Bilder von Janice Rubin vermitteln eben dieses Gefühl, das Moment auch einer gewissen Schwerelosigkeit, dem Schweben in einer Zwischenwelt, von der aus man wieder auftaucht in diese unsrige…

Die Einstellung moderner Jüdinnen zur Mikwe sind ambivalent, wie aus den Textdokumentationen der Schriftstellerin Leah Lax hervorgeht. Sehen die einen den mehr rituellen Charakter des Bades zum Beispiel vor der Hochzeit („Hinein als Mädchen, heraus als Frau“) [5], halten andere den Mikwenbesuch für überflüssig bzw. sogar für eine Fremdbestimmung und Reglementierung ihrer Sexualität. Zu diesem Auseinanderdriften der Meinungen gibt der Link [4] eine kleine Übersicht.

[1] http://www.mikvahproject.com/
[2] http://www.juedischesmuseum.de/
[3] Der Wiki-Artikel zur Friedberger Mikwe, dem Beitrag ist auch das Bild entnommen
[4] Leben in Frankfurt: Ganz rein!
[5] Quelle

Eine ausführliche Darstellung der Mikwe wird in dieser Quelle gegeben: http://www.judentum-projekt.de/religion/mikwe/index.html

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