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.Literatur, Roman

Lena Gorelik: Hochzeit in Jerusalem

Äußerst unterhaltsam zu lesen ist dieser kleine Roman einer der neuen Hoffnungen der deutschen Literatur. Die Geschichte scheint zunächst banal: Anja, eine russische Jüdin, die von Kind an in Deutschland lebt, lernt einen jungen Deutschen per E-Mail kennen und hilft ihm herauszufinden, was es bedeutet, in Deutschland Jude zu sein.

Julian hat erst kürzlich von seinem Vater erfahren, dass dieser Jude war. Damit hat er schon mal ein ‚Problem‘, denn jüdisch ist erst einmal der, dessen Mutter Jüdin ist. Für Julian beginnt mit dieser Eröffnung seines Vaters eine merkwürdige Identitätssuche. Dagegen ist Anjas Verhältnis zu ihrer Religion und zum Jüdischsein in Deutschland erfrischend natürlich. Unverkrampft und ohne Pathos erzählt sie von nervigen Zeitgenossen, die ihren Philosemitismus peinlich zur Schau stellen, und von ihren Freunden, die ihr einfach Weihnachtsgeschenke machen, weil man das nun mal im Dezember so macht. Sie erzählt von Gegenwart und Vergangenheit und lässt die Zukunft einfach kommen.

Anja ist ein Kind ihrer Zeit mit den typischen Problemen, die erst einmal wenig bis gar nichts mit Religion oder Nationalität zu tun haben. Insofern finde ich den Roman sehr ermutigend und hoffnungsvoll. Nur schrammt die Beschreibung ihres Lebens manchmal haarscharf an allzu leichten Frauenromanen vorbei, etwas mehr Tiefe hätte der Story nicht geschadet.

Lena Gorelik
Hochzeit in Jerusalem
Schirmergraf, 2007, 254 S.

Erstveröffentlichung der Rezension im „Virtuellen Literarischen Salon“, dem Newsletter von philea’s Blog.

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Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig http://phileablog.wordpress.com/

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