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	<title>Jüdische Lebenswelten</title>
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		<title>Jane Yolen: Dornrose</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 05:09:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>synaesthetisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Auf den ersten Blick ist Gemma eine ganz normale Großmutter. Sie schmiert ihren Enkeln Brote, backt mit ihnen Kuchen und erzählt Märchen. Besonders gern hören die Mädchen Gemmas Version von Dornröschen: Dornen aber gibt es dort nicht, nur spitzen Lagerdraht, und auch die böse Fee ist bei Gemma ein unheilvoller Todesengel. Erst als die drei Mädchen erwachsen sind und ihre Großmutter im Sterben immer wieder davon spricht, selbst das aus dem Tod erweckte Dornröschen zu sein, kippt die gute Stimmung. Besonders der jüngsten Schwester Becca wird schlagartig bewusst, wie oft die Großmutter beim Erzählen abschweifte oder bei Nachfragen erstarrte und nicht weitersprach.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/02/22/jane-yolen-dornrose/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1825&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Auf den ersten Blick ist Gemma eine ganz normale Großmutter. Sie schmiert ihren Enkeln Brote, backt mit <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/02/22/jane-yolen-dornrose/yolen_dornrose/" rel="attachment wp-att-1826"><img class="alignright  wp-image-1826" title="yolen_dornrose" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2012/01/yolen_dornrose.jpg?w=241" alt="" height="200" /></a>ihnen Kuchen und erzählt Märchen. Besonders gern hören die Mädchen Gemmas Version von Dornröschen: Dornen aber gibt es dort nicht, nur spitzen Lagerdraht, und auch die böse Fee ist bei Gemma ein unheilvoller Todesengel.</p>
<p style="text-align:justify;">Erst als die drei Mädchen erwachsen sind und ihre Großmutter im Sterben immer wieder davon spricht, selbst das aus dem Tod erweckte Dornröschen zu sein, kippt die gute Stimmung. Besonders der jüngsten Schwester Becca wird schlagartig bewusst, wie oft die Großmutter beim Erzählen abschweifte oder bei Nachfragen erstarrte und nicht weitersprach. Und mehr noch: Merkwürdigerweise weiß niemand von Gemmas Herkunft, ihrer Kindheit und Jugend und ihrer Flucht vor den Nazis, die sie 1944 schließlich nach Amerika führte.<span id="more-1825"></span></p>
<p style="text-align:justify;">Gemma hinterlässt der Familie eine kleine Truhe voller Fotos, Zeitungsartikel und Dokumente. Einen Sinn ergeben sie jedoch erst, als Becca sich auf Spurensuche begibt und nach und nach die grausame Geschichte der Großmutter aufdeckt. Denn die gelungene Flucht vor den Nazis war keineswegs eine Glückliche: Alle Hinweise führen in das Vernichtungslager Chelmo in Polen, das nur eine Handvoll Menschen überlebt hat.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Geschichte, die schließlich ans Licht kommt, ist eine Mischung aus Märchen und grausamer Realität. Denn in der Wirklichkeit des Märchens gibt es keine gute Fee, höchstens beherzte Menschen, die aus Nächstenliebe retten. Und es gibt auch kein &#8220;Und sie lebten glücklich und zufrieden…&#8221;, denn die Realität des Krieges und der Judenverfolgung durchkreuzt das Märchen immer neu. <em>Dornrose</em> ist ein aufwühlendes Jugendbuch über die grausamen Verhältnisse im Vernichtungslager von Chelmno, über zerstörte Biographien und ein Leben fast ohne eigene Erinnerung. Bis heute gibt es keine Belege dafür, dass je eine Frau Chelmno überlebt hat. Doch das macht Yolens Geschichte nicht weniger wahrhaftig.</p>
<p style="text-align:justify;">Mehr Informationen zu Chelmno findet man auf den Seiten des <a href="http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/chelmno/index.html" target="_blank">Deutschen Historischen Museums</a>.</p>
<p style="text-align:justify;">Jane Yolen<br />
<em>Dornrose. Die Geschichte meiner Großmutter</em><br />
Bloomsbury Kinder- &amp; Jugendbücher<br />
2010, 288 S., 16,90 Euro</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/kinder-und-jugendbuch/'>Kinder- und Jugendbuch</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1825/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1825&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Stanislaw Lem: Provokation</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Feb 2012 05:39:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>flattersatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
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		<category><![CDATA[Genozid]]></category>
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		<category><![CDATA[Stanislaw Lem]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Als Band 740 erschien 1982 in der altehrwürdigen Bibliothek Suhrkamp ein kleines Bändchen mit einem Essay des polnischen Gelehrten Stanislaw Lem, in dem dieser das fiktive Werk des (ebenfalls fiktiven) deutschen Anthropologen und Historikers Horst Aspernicus, <em>Band 1: Endlösung als Erlösung</em> und <em>Band 2: Fremdkörper Tod</em>, bespricht. Von diesen beiden Bänden will ich hier kurz auf den ersten eingehen. Thema der Arbeit Aspericus ist die Genese und die Einordnung des Völkermords im Allgmeinen und insbesondere des Nationalsozialismus an den Juden.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/02/16/stanislaw-lem-provokation/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1800&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-11017 alignright" title="provokation" src="http://radiergummi.files.wordpress.com/2011/11/provokation.jpg?w=750" alt=""   /></p>
<p style="text-align:justify;">Als Band 740 erschien 1982 in der altehrwürdigen Bibliothek Suhrkamp ein kleines Bändchen mit einem Essay des polnischen Gelehrten Stanislaw Lem, in dem dieser das fiktive Werk des (ebenfalls fiktiven) deutschen Anthropologen und Historikers Horst Aspernicus, <em>Band 1: Endlösung als Erlösung</em> und <em>Band 2: Fremdkörper Tod</em>, bespricht. Von diesen beiden Bänden will ich hier kurz auf den ersten eingehen.</p>
<p style="text-align:justify;">Thema der Arbeit Aspernicus ist die Genese und die Einordnung des Völkermords im Allgmeinen und insbesondere des Nationalsozialismus an den Juden. <span id="more-1800"></span>Es ist ein schwieriger Text, ich habe ihn jetzt zweimal gelesen und möchte nicht behaupten, alles verstanden zu haben &#8211; umso interessanter natürlich, dieses Büchlein vorzustellen.</p>
<p style="text-align:justify;">Anfänglich analysiert Lem/Aspernicus, aus welchen Motiven heraus Sieger Besiegte töten, selbst wenn der Kampf, die Auseinandersetzung, der Krieg entschieden ist. Dieses oft massenhafte Töten besiegter Feinde gehörte seit altersher zum Brauchtum des Siegers. Zum einen verminderte man dadurch die Zahl potentieller Rächer und künftiger Vergelter, zum anderen stellte man damit auch die eigene Stärke zur Schau. Passte es ins Kalkül, war die Versklavung und Unterjochung des besiegten Volkes eine unblutige Alternative. Wichtig, so legt Lem seinem Autoren in den Mund, ist, dass praktische Gesichtspunkte des Eigennutzes für den Sieger bei seiner Behandlung des Feindes ausschlaggebend waren.</p>
<p style="text-align:justify;">Im Verlauf der Jahrhunderte bildeten sich jedoch langsam Verhaltenskodices heraus, die letztlich dazu führten, dass der militärische/kriegerische Erfolg völlig vom Mord an den Besiegten getrennt wurde, modern kodifiziert in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Haager_Landkriegsordnung" target="_blank">Haager Konvention</a>. Zwar geschahen auch in der Neuzeit noch Akte des Völkermords, jedoch fehlte ihnen &#8211; nach Aspercius &#8211; der archaische Charakter bzw. das eigennützige Interesse der Urheber. Vielmehr verdeutlicht er, dass das erfolgte Abschlachten notwendig war, um bestimmte Ziele zu erreichen (Landeroberungen, Sklavenjagd etc.).</p>
<p style="text-align:justify;">Eine Art Zäsur in der Genese des Völkermords erkennt der Autor in dem Massaker der Türken an den Armeniern, das für die Türken keinen Nutzen oder Gewinn brachte (Franz Werfes Buch, <em><a href="http://www.amazon.de/Die-vierzig-Tage-Musa-Dagh/dp/3596294584/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1326257156&amp;sr=8-1" target="_blank">Die vierzig Tage des Musa Dagh</a></em>, schildert dieses Massaker in aller Breite; dass es immer noch in der Einordnung als Völkermord heftig umstritten ist, zeigen die aktuellen Auseinandersetzungen zwischen der Türkei und Frankreich, <em>Anmerk. d. Verf</em>.). Unter diesem Gesichtspunkt entspricht das Massaker dem nationalsozialistischen Genozid an den Juden: Auch dieser hatte für Deutschland keinerlei Nutzen, ganz im Gegenteil, er band erhebliche Mittel an Personal und logistischen Einrichtungen und wurde vor der Welt mit einer Vielzahl von Euphemismen verheimlicht. Noch in den Lagern selbst wurde den Juden die Hoffnung auf ein Überleben nicht völlig genommen. <em>Je totaler der Mord, umso mehr wurde er mit Geheimhaltung umgeben.</em></p>
<p style="text-align:justify;">Daraus und aus der Tatsache, dass es für die Nazis, die zu diesem Zeitpunkt ja noch an ihr Tausendjähriges Reich glaubten, durchaus effektive, mit weniger Nachteilen verbundene Alternativen zum blutigen Genozid an den Juden gegeben hätte, folgert Aspernicus, dass aus der 1942 gefällten Entscheidung zur &#8220;Endlösung der Judenfrage&#8221; reine <em>Mordlust </em>spricht: &#8220;<em>Mit einem Wort, es ging nicht nur um den Nutzen aus dem begangenen Verbrechen, sondern um die Befriedigung, die seine Ausführung verschaffte</em>&#8220;.</p>
<p style="text-align:justify;">Über Sieger sitzt niemand zu Gericht. Deshalb widmet sich Aspernicus der Frage, warum &#8211; trotz des vermeintlich sicheren Sieges vor Augen &#8211; der Völkermord an den Juden so euphemisiert wurde (&#8220;Endlösung&#8221;, &#8220;Umsiedlung&#8221;, &#8220;Arbeit macht frei&#8221;). Als Grund dafür erkennt er den immanenten Widerspruch, der darin liegt, dass der Arier der Erste unter der Menschen sein sollte, der aber in seinem Tun gleichzeitig der Mörder Wehrloser ist. Gerade in der Verleugnung sieht der Autor ein starkes Indiz dafür, wie sehr die Nazis in der christlichen Kultur verankert waren, denn &#8220;<em>&#8230; in diesem Kulturkreis kann man alles tun, was aber nicht heißt, daß man auch alles sagen kann</em>&#8221; [dem Sinn nach zitiert].</p>
<p style="text-align:justify;">Der nächste Abschnitt des Buches befasst sich mit dem Neonazismus, der trotz drückendster Beweise den Völkermord immer noch leugnet und als Fälschung bezeichnet. Der Autor betrachtet auch die Rolle der Philosophie am Beispiel des Philosophen Heidegger und kommt zum Schluss, dass ein Philosoph aus prinzipiellen Gründen zu den Verbrechen der Nazis nicht schweigen darf und dass &#8211; noch weiter verallgemeinert &#8211; jeder Mitschuld trägt, der &#8220;<em>&#8230; den Stellenwert dieses Verbrechens in der Ordnung der menschlichen Existenz möglichst niedrig ansetzt</em>&#8220;.</p>
<p style="text-align:justify;">Im Folgenden lässt Lem seine Aspernicus ausführen, dass Deutschland den Krieg nie hätte gewinnen können, sondern ihn nur noch totaler verloren hätte, selbst und gerade wenn es im Osten gegen Russland gewonnen hätte. Dann nämlich hätte sich Amerika auf jeden Fall gezwungen gesehen, die (maßgeblich  von aus Europa vertriebenen Juden mitentwickelte) Atombombe auch auf Deutschland zu schmeißen, bevor die Nazis selbst (&#8220;<a href="http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Uranprojekt.html">Uran-Projekt</a>&#8220;) diese Bombe herstellen könnten.</p>
<p style="text-align:justify;">Mit Hitler und Himmler charakterisiert Aspernicus zwei der hervorstechendsten Figuren des Dritten Reiches. Bei Hitler erkennt er die Zwiespältigkeit seines Charakters, der in persönlichen Dingen keinerlei Ausschweifung kannte, sich im Spiel um die Macht jedoch keinen Regeln unterwarf: &#8220;<em>Er war gut zu Hunden, Sekretärinnen, Dienern und Chauffeuren, seine eigenen Generäle aber ließ er wie Schweine am Schlachterhaken aufhängen, Millionen von Gefangenen ließ er verhungern</em>&#8220;. Über Himmler, einen Mann beschränkten Geistes, konstatiert der Autor, dass er wie ein aus der Flasche entlassener Ungeist die Möglichkeiten, die ihm seine Stellung gab, ausnutzte und sich austobte. Er war es, der den Mord als Pflicht, als Aufopferung, als Mühe und als Ruhmestat glorifizierte ["<em>Von euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn hundert Leichen daliegen oder tausend. Das durchgestanden zu haben und dabei anständig geblieben zu sein, ist ein niemals geschriebenes Ruhmesblatt unserer Geschichte</em>", nach "<a href="http://www.dieterwunderlich.de/Karmakar_Himmler.htm#cont" target="_blank">Himmler-Projekt</a>"].</p>
<p style="text-align:justify;">Schließlich kommt Aspernicus auf den tiefsten, weil letzten Sinn dieses Völkermordes zu sprechen. Es ist die kitschige Ikonographie des Abschlachtens, die nackten Menschen, die vor den Herrenmenschen an den Graben treten, jetzt im sicheren Wissen um ihren Tod, und erschossen werden. Nackt, wie Gott sie schuf, stehen sie vor ihrem Herrn und Richter (auch wenn das Urteil natürlich feststeht), es ist das Bild des Jüngsten Gerichts. Derart erhöhte sich die Clique der &#8220;Lumpenproletarier&#8221;, der &#8220;ungebildeten Flegel&#8221; und &#8220;Unteroffizierssöhne&#8221;, der &#8220;Bäckergehilfen&#8221; und &#8220;drittklassigen Schreiberlinge&#8221; selbst zum Vater über die nackten Menschen, zum Gottvater in seiner Allmacht über Leben und Tod.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Juden waren die fixe Idee des Dritten Reiches, ihre Verfolgung und Ausrottung wurde mit geradezu selbstzerstörerischer Konsequenz betrieben. Der Jude an sich war für die Nazis die Manifestation des Bösen, so sehr, dass Systemfeinde, die nicht jüdisch waren, als &#8220;weiße Juden&#8221; bezeichnet wurden. Und das Böse gehört ausgerottet, <em>den Juden sollte das widerfahren, was ihnen nach Recht und Gesetz gebührte</em>, und ausersehen, dies durchzuführen, waren in der Ideologie der Nazis die Deutschen, es wurde geradezu zu einer persönlichen Angelegenheit (&#8220;<em>Hier liegen MEINE Juden</em> verscharrt&#8230;&#8221;). Die Quintessenz seiner Argumentation führt Aspernicus zu dieser Schlussfolgerung:</p>
<p style="text-align:right;"><em>Da die Deutschen Gott nicht töten konnten, töteten sie sein &#8220;auserwähltes Volk&#8221;, um dessen Platz einzunehmen und nach der blutigen Entthronisierung in effigei zu selbsternannten Auserwählten der Geschichte zu werden&#8230; Der Genozid ist die stellvertretende Exekution Gottes.</em></p>
<p style="text-align:justify;">Eine Schlussfolgerung, die uns radikal und ungewöhnlich erscheint, mit der Lem aber letztlich nicht allein steht, wie man im Artikel von Bauer (s.u.) nachlesen kann.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Text Lems ist eine stringente Auseinandersetzung mit der verstörenden Frage, aus welchen Motiven eine politische Klasse (und in der Folge ein großer Teil eines ganzen Volkes) sich ein selbstzerstörerisches, den eigenen Ansprüchen der Auserwähltheit entgegenstehendes Verhalten als politische Maxime zu eigen macht. Und das Überraschende ist das Ergebnis, dass ausgerechnet die Ideologie des Nationalsozialismus &#8220;auf <em>christlich</em>-antijüdischen, albtraumartigen Vorstellungen&#8221; [Bauer] beruht.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Links</strong>:</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://www.stanislaw-lem.de/buch/provokation.html" target="_blank">http://www.stanislaw-lem.de/buch/provokation.html</a><br />
<a href="http://www.hansschauer.de/html/dir4/ch10t11.html" target="_blank">http://www.hansschauer.de/html/dir4/ch10t11.html</a><br />
Yeshua Bauer: &#8220;Die Schande bleibt&#8221;, <a href="http://www.zeit.de/2005/13/Yad_Vashem" target="_blank"><em>Die ZEIT</em></a>, 23.03.2005</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/sachbuch/'>Sachbuch</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1800/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1800&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Mirjam Pressler: Ein Buch für Hanna</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Feb 2012 05:34:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ada Mitsou</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Ich habe neulich eine Unterhaltung geführt, in der es darum ging, dass ich es ein wenig aus den Augen verloren habe, während des Lesens mitzufühlen. Ein Buch kann mich fesseln, berühren, traurig oder fröhlich stimmen, doch im Laufe der vielen Bücher, die ich gelesen und rezensiert habe, ist mir die Zeit, mich intensiv in die Figuren hineinzuversetzen, abhanden gekommen. Meine Art zu lesen ist analytischer geworden, denn ich fühle mit dem Abstand, den ein gewisses Maß an Objektivität einfordert. Ich weiß nicht, ob es Zufall ist, dass ich ausgerechnet jetzt, wenige Tage nach dieser Unterhaltung, <em>Ein Buch für Hanna</em> gelesen habe, denn eben jenes Buch hat mir gezeigt, dass mir das Mitfühlen noch nicht abhanden gekommen ist.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/02/11/mirjam-pressler-ein-buch-fur-hanna/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1933&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"> <img class="alignright size-thumbnail wp-image-1945" title="Ein Buch für Hanna" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2012/02/pressler_hanna.jpg?w=128&#038;h=200" alt="" width="128" height="200" /> Ich habe neulich eine Unterhaltung geführt, in der es darum ging, dass ich es ein wenig aus den Augen verloren habe, während des Lesens mitzufühlen. Ein Buch kann mich fesseln, berühren, traurig oder fröhlich stimmen, doch im Laufe der vielen Bücher, die ich gelesen und rezensiert habe, ist mir die Zeit, mich intensiv in die Figuren hineinzuversetzen, abhanden gekommen. Meine Art zu lesen ist analytischer geworden, denn ich fühle mit dem Abstand, den ein gewisses Maß an Objektivität einfordert.</p>
<p style="text-align:justify;">Ich weiß nicht, ob es Zufall ist, dass ich ausgerechnet jetzt, wenige Tage nach dieser Unterhaltung, <em>Ein Buch für Hanna</em> gelesen habe, denn eben jenes Buch hat mir gezeigt, dass mir das Mitfühlen noch nicht abhanden gekommen ist. <em>Ein Buch für Hanna</em> ließ mich sogar so sehr mitfühlen, dass ich auch jetzt noch aufgewühlt bin, wenn ich in darin blättere und an die damit verbundenen Bilder zurückdenke.<span id="more-1933"></span></p>
<p style="text-align:justify;">Deutschland, 1938: Die vierzehnjährige Hannelore lebt und arbeitet in Ahrensdorf, wo sie darauf vorbereitet wird, nach Palästina auszuwandern. Die Schwester des jüdischen Mädchens ist bereits vor zwei Jahren nach Palästina gegangen und jetzt, wo die Nationalsozialisten gezielt gegen die jüdische Bevölkerung vorgehen, soll Hannelore ihr folgen.</p>
<p style="text-align:justify;">Eines Tages ist es so weit: Zusammen mit einer Gruppe anderer jüdischer Mädchen bricht Hannelore in das Verheißene Land auf. Doch der Weg dorthin erfordert Geduld und Kraft. Die Mädchen landen zunächst in Dänemark, wo sie in unterschiedlichen Familien untergebracht werden und sich in deren Alltag einfügen. Obwohl sie ihr Ziel noch nicht erreicht haben, fühlen sie sich erst mal sicher. Hannelore, die fortan Hanna genannt wird, ist nach anfänglichen Problemen zufrieden in ihrer neuen Umgebung. Die Arbeit auf dem Bauernhof bereitet ihr Freude und nach und nach begegnen ihr Menschen, die sie ins Herz schließt.</p>
<p style="text-align:justify;">Doch ihr Glück währt nicht lange: Die Deutschen marschieren in Dänemark ein. 1943 wird Hanna zusammen mit fast 500 dänischen Juden nach Theresienstadt deportiert, wo sie glücklicherweise ihre Freundinnen aus Ahrensdorf wieder findet. Fortan kämpfen die Mädchen gemeinsam ums Überleben&#8230;</p>
<p style="text-align:justify;">Besagtes Theresienstadt ist vielen Lesern bestimmt ein Begriff. Auch ich hatte den Namen schon mal gehört, wenn gleich er auch nicht so präsent ist wie Auschwitz, Buchenwald oder Dachau. 152.000 Juden wurden in Theresienstadt, wo vorher 7.000 Bürger lebten, zusammengepfercht. Sie litten nicht nur unter dem Platzmangel, sondern vor allen Dingen unter den Schikanen der Offiziere, dem nagenden Hunger, dem Ungeziefer und den Krankheiten, die sich aufgrund der mangelnden Hygiene und der schlechten medizinischen Versorgung ungehindert ausbreiten konnten. Alte und kranke Menschen starben aufgrund dessen, tausende andere wurden deportiert und vergast. Niemand wusste, wer als nächstes an der Reihe sein würde, wodurch die Angst ein ständiger Begleiter wurde.</p>
<p style="text-align:justify;">Diese Zustände findet man auch in anderen Konzentrations- und Arbeitslagern, doch Theresienstadt unterscheidet sich in einem Punkt von ihnen: Das Lager galt als Musterlager zur Täuschung der ausländischen Öffentlichkeit. Ausgewählte, bis auf die Knochen abgemagerte Juden wurden wochenlang mit besserem Essen aufgepäppelt, man zog ihnen wie Marionetten gute Kleidung an, reinigte die verdreckten Straßen und richtete vereinzelte Räume her, durch die die Besucher geführt werden sollten.</p>
<p style="text-align:justify;">Während die anderen Inhaftierten still in den Kasernen ausharren mussten, spielten die Nazis den ausländischen Besuchern eine heile Welt vor, in der die Juden angeblich zufrieden ihrer Arbeit nachgingen, Kinder von dem guten Essen, dass es dort gab, übersättigt waren und alle in einem friedlichen Miteinander lebten. Nachdem die ahnungslosen Besucher wieder abgereist waren, wurden die Juden, die bei dieser Farce mitspielen mussten, unverzüglich umgebracht, damit sie niemandem davon erzählen konnten und die Verlogenheit der Nazis nicht aufflog.</p>
<p style="text-align:justify;">Wenn ich daran denke, flammt der Zorn in mir auf! Ich möchte diese Unmenschen schütteln und anschreien und ekle mich vor ihrer Verlogenheit, vor dem, was der Machtrausch aus ihnen machte. Es ist mir unbegreiflich und zugleich schnürt mir die Traurigkeit die Kehle zu.</p>
<p style="text-align:justify;">Diese Wirkung ist anstrengend, weil sie mir unter die Haut geht und intensiver ist als die, die andere Bücher über die Judenverfolgung in mir ausgelöst haben. Mir waren die historischen Ereignisse schon immer unbegreiflich und die Schilderungen haben mich schon immer bewegt, allerdings nicht in diesem Maße.</p>
<p style="text-align:justify;">Während ich im Zug sitze und in dem Buch lese, blende ich meine Umgebung aus. Der Kontrast zwischen dem Geschriebenen und dem Arbeitsalltag der Pendler fühlt sich hart an, wie zwei Welten, von denen die eine so normal und belanglos wirkt und die andere mich innerlich zerrüttet. Wie geht das zusammen? Wie kann sich ein Mädchen vor 70 Jahren dicht an dicht mit vielen anderen Menschen in einem dunklen Viehwagon gefürchtet haben, während ich mich bequem in den Sessel drücke und froh über die behagliche Wärme in dem Abteil bin? Ich versuche mir vorzustellen, wie ich Hannas Situation empfunden hätte, und stelle fest, dass ich es mir kaum vorstellen kann.</p>
<p style="text-align:justify;">Gleichzeitig kriecht die Angst in mir hoch, je länger ich darüber nachdenke. Was wäre, wenn sie mich heute abholen würden? Wenn ich nicht wüsste, was mit meiner Familie passiert ist? Wenn mir ein Mann in Uniform mit seinem Knüppel ins Gesicht schlägt und ich vor Angst und Hunger nicht schlafen kann, zwischen all diesen fremden Menschen und Gerüchen?</p>
<p style="text-align:justify;">Presslers Beschreibungen sind nicht offensichtlich schockierend. Viel mehr konzentriert sie sich während des Erzählens ganz auf das Leben und die Empfindungen der vierzehnjährigen Hanna. Das Mädchen ist schüchtern, sie hat Angst vor Veränderungen, flüchtet sich in die Märchen von Hans Christian Andersen und macht doch alles mit, was man von ihr verlangt. Schon früh hat sie von ihrer Mutter eingebläut bekommen, dass ein jüdisches Mädchen nicht auffallen darf, und daran hält sie sich. Hanna ist eigentlich nicht anders als andere Mädchen, doch sie erlebt andere Dinge, die sie dazu zwingen, sich zu verändern, sowohl im Positiven als auch im Negativen.</p>
<p style="text-align:justify;">Es ist spannend, diesen Prozess mitzuverfolgen. Trotz der Schwere des Themas war es mir ein Vergnügen, mich von der poetischen Sprache gefangen nehmen zu lassen, sodass nicht nur die Schrecken der damaligen Zeit dominieren, sondern auch ein zartes, melancholisches Gefühl, das mich sehr beeindruckt und berührt hat.</p>
<p style="text-align:justify;"><em>Ein Buch für Hanna</em> ist für mich eine persönliche Angelegenheit geworden. Ich weiß nicht, ob es andere Leser genau so erreichen wird wie mich, doch ich hoffe sehr, dass es noch viele Leser findet, die sich das Geschriebene zu Herzen nehmen und in Ruhe darüber nachdenken.</p>
<p>© Ada Mitsou, zuerst erschienen auf <a href="http://adamitsou.wordpress.com/2012/01/21/mirjam-pressler-ein-buch-fur-hanna/" target="_blank">Ada Mitsou liest</a></p>
<p>Mirjam Pressler<br />
<em>Ein Buch für Hanna</em><br />
Beltz 2011, 348 Seiten<br />
Altersempfehlung: ab 13 Jahren</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/kinder-und-jugendbuch/'>Kinder- und Jugendbuch</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1933/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1933&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Ada Mitsou</media:title>
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			<media:title type="html">Ein Buch für Hanna</media:title>
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	</item>
		<item>
		<title>Hans Keilson: Da steht mein Haus. Erinnerungen</title>
		<link>http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/01/31/hans-keilson-da-steht-mein-haus-erinnerungen/</link>
		<comments>http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/01/31/hans-keilson-da-steht-mein-haus-erinnerungen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 05:19:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jarg</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Auto/biographie]]></category>
		<category><![CDATA[Hintergründe]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Da steht mein Haus. Erinnerungen]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Keilson]]></category>
		<category><![CDATA[Judenverfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Im April 2011 erschienen die Erinnerungen von Hans Keilson, des 1909 in Bad Freienwalde geborenen und 1936 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Niederlande geflohenen Arztes und Schriftstellers. Keilson, in Deutschland wohl nur literarisch interessierten Menschen bekannt, erlangte mit seinen Romanen internationale Aufmerksamkeit und wurde 2010 von der <em>New York Times</em> als „one of the world’s greatest writers“ gefeiert.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/01/31/hans-keilson-da-steht-mein-haus-erinnerungen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1851&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1852" title="keilson" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2012/01/keilson.jpg?w=122&#038;h=200" alt="" width="122" height="200" />Im April 2011 erschienen die Erinnerungen von Hans Keilson, des 1909 in Bad Freienwalde geborenen und 1936 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Niederlande geflohenen Arztes und Schriftstellers. Keilson, in Deutschland wohl nur literarisch interessierten Menschen bekannt, erlangte mit seinen Romanen internationale Aufmerksamkeit und wurde 2010 von der <em>New York Times</em> als „one of the world’s greatest writers“ gefeiert.<span id="more-1851"></span></p>
<p style="text-align:justify;">Nach dem Zweiten Weltkrieg behandelte er als Psychoanalytiker schwer traumatisierte jüdische Waisenkinder und wurde zudem Facharzt für Psychiatrie. Bereits 1990 begann er mit autobiographischen Aufzeichnungen, die zugleich eine Erinnerung an seine Jugend, aber auch einen Bericht über jüdisches Leben im Deutschland der ersten Jahrhunderthälfte, über den aufkeimenden Nazismus und den Weg ins Exil darstellen.</p>
<p style="text-align:justify;"><em>Da steht mein Haus</em> – unter diesem einfachen, kaum mehr als deskriptiven Titel sind seine in einem schmalen Bändchen herausgebrachten Erinnerungen erschienen. Und doch klingt bereits in diesem Titel Einiges vom dem besonderen Ton an, den Keilson mit seinen Worten findet. Weniger die akribisch aufgezeichneten Details üblicher Autobiographien kennzeichnen sein Buch: Keilson zeichnet sein Leben bis in die 40er Jahre gleichsam skizzenhaft auf, in Lebensbildern, bruchstückhaften Erinnerungen, Schlaglichtern auf Erlebtes, Gesehenes, Erspürtes.</p>
<p style="text-align:justify;">In zarten Bildern schildert Keilson seine Jugend in einem jüdischen Elternhaus, als Sohn eines Kaufmanns: Bilder, in die sich zunächst kaum wahrnehmbar Schatten schleichen, düstere Vorahnungen, die auftauchen wie ein Spuk, bis die Schatten im Verlauf der 20er Jahre dunkler, drohender, gefährlicher werden und nur das Exil bleibt, um ihnen zu entkommen. Auch hier, im Exil, ist Keilson bedroht, doch gelingt es ihm, trotz aktiver Teilnahme am Widerstand, im Gegensatz zu seinen Eltern unerkannt den Holocaust zu überleben.</p>
<p style="text-align:justify;">Mit <em>Da steht mein Haus</em> gelingt ihm, dank bewusster Knappheit und Auslassung, einer klaren Sprache und dem absoluten Vorrang der aufschimmernden Erinnerungsbilder vor der biographischen Akkuratesse, eine Kindheits- und Jugenderinnerung der besonderen Art. Nie beschwört sie eine heile Welt, und doch lässt sie in der Zartheit ihrer Bilder das aufscheinen, was später so brutal verloren zu gehen scheint, in Keilsons Erinnerung jedoch wieder gegenwärtig wird.</p>
<p style="text-align:justify;">Ergänzt um ein Interview mit dem kurz nach Erscheinen des Buches 101-jährig verstorbenen Autor, macht <em>Da steht ein Haus</em> ein Leben fühl- und sichtbar, das besonders und doch exemplarisch ist für das 20. Jahrhundert. Eine zarte literarische Kalligraphie aus Worten und damit ein bemerkenswertes Buch, das mit Recht als eines der „wichtigen Bücher deutscher Juden“ (<em>Süddeutsche Zeitung</em>, 6.5.2011) bezeichnet wird und dessen Lektüre berührt, bewegt und das Interesse an den anderen Büchern Keilsons weckt.</p>
<p style="text-align:justify;">Hans Keilson<br />
<em>Da steht mein Haus. Erinnerungen</em><br />
Fischer 2011, 141 Seiten</p>
<p style="text-align:justify;">Die Rezension erschien zuerst auf <a href="http://jargsblog.wordpress.com/2012/01/14/da-steht-mein-haus-erinnerungen-hans-keilson-2/" target="_blank">Jargs Blog</a>.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/autobiographie/'>Auto/biographie</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/hintergrunde/'>Hintergründe</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/hintergrunde/menschen/'>Menschen</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1851/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1851&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Yishai Sarid: Limassol</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 04:58:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Limassol]]></category>
		<category><![CDATA[Nahostkonflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>
		<category><![CDATA[Yishai Sarid]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Dieser Roman des ehemaligen israelischen Nachrichtenoffiziers und heutigen Rechtsanwaltes Yishai Sarid führt den von der ersten Seite an gebannten Leser hinein in eine Welt, in der der Terror und die Gewalt alltäglich geworden sind. In einer im Verlauf des Buches immer bedrückender werdenden Geschichte begleitet er seine Protagonisten einen Sommer lang von Jerusalem über Tel Aviv bis nach Limassol auf Zypern.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/01/25/yishai-sarid-limassol/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1807&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Dieser Roman des ehemaligen israelischen Nachrichtenoffiziers und <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/01/25/yishai-sarid-limassol/sarid_limassol/" rel="attachment wp-att-1812"><img class="alignright  wp-image-1812" title="sarid_limassol" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2012/01/sarid_limassol.jpg?w=132&#038;h=229" alt="" width="132" height="229" /></a>heutigen Rechtsanwaltes Yishai Sarid führt den von der ersten Seite an gebannten Leser hinein in eine Welt, in der der Terror und die Gewalt alltäglich geworden sind. In einer im Verlauf des Buches immer bedrückender werdenden Geschichte begleitet er seine Protagonisten einen Sommer lang von Jerusalem über Tel Aviv bis nach Limassol auf Zypern.<span id="more-1807"></span></p>
<p style="text-align:justify;">Der Ich-Erzähler, ein israelischer Geheimdienstler, ist seit Jahren auf die Aufdeckung von Selbstmordattentaten spezialisiert. Seine Schilderungen des Innenlebens und der Methoden des israelischen Geheimdienstapparates sind harter Tobak. Denn er und seine Kollegen wollen sich um keinen Preis an die Gewalt ihrer Gegner anpassen (&#8220;Für Juden gelten Menschenrechte&#8221;, sagt sein orthodox-gläubiger Chef einmal) und haben dennoch oftmals keine andere Möglichkeit, wollen sie Attentate verhindern. Das, was vor Jahren als &#8220;Szenario der tickenden Bombe&#8221; zeitweise die Folterdebatte unter den Juristen nach 9/11 bestimmte, ist in Israel alltägliche Normalität. Das besprochene Buch ist ein literarisches Zeugnis der einzigen Demokratie im Nahen Osten und seiner reichen Kultur. Das Ausmaß an Korruption, an Gewalt und Verzweiflung ist hier auch nicht größer als etwa in anderen westlichen Ländern.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Erzähler erhält eines Tages einen Geheimauftrag. Über die Schriftstellerin Daphna soll er den Kontakt zu einem todkranken Dichter im Gazastreifen herstellen, dessen Sohn wahrscheinlich einen verheerenden Anschlag plant. Er gibt sich als Investmentbanker aus, der für ein eigenes Buch bei Daphna sozusagen Stunden in Literatur nehmen will. Mit jedem Besuch bei ihr fühlt er sich mehr zu der beeindruckenden Schriftstellerin hingezogen und gerät über seinen Auftrag mehr und mehr in Zweifel. Dennoch gelingt es ihm, sich das Vertrauen des alten Dichters zu erschleichen, der seinem radikalen Sohn vorschwärmt, endlich einmal einen Juden kennen gelernt zu haben, dem man vertrauen könne &#8211; was die israelischen Geheimdienstler in der Abhörzentrale zu Lachstürmen hinreißt. Als die Handlung sich im zypriotischen Limassol zuspitzt, steht der Erzähler vor der schwersten Entscheidung seines Lebens&#8230;</p>
<p style="text-align:justify;">Eine der wichtigsten Botschaften des Romans ist, dass der Terrorismus denen, die ihn bekämpfen, schon längst seine Logik aufgezwungen hat. Doch das war nicht immer so: Besonders die Figur Daphna beschwört frühere Zeiten herauf, in denen Israelis nach Gaza an den Strand fahren konnten oder palästinensische Dichter in Tel Aviv Lesungen veranstalteten. &#8220;Eines Tages fallen die Zäune, und wir werden vereint sein&#8221;, sagt Daphna zum Ich-Erzähler, was auf diesen nicht ohne Eindruck bleibt. Übrigens auch nicht auf den von diesem Buch beeindruckten Rezensenten.</p>
<p>Yishai Sarid<br />
<em>Limassol</em><br />
Piper 2011, 208 S.</p>
<p style="text-align:justify;">Wir danken unserem Gastrezensenten Winfried Stanzick für diese Besprechung.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1807/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1807&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Georges Perec: W oder Die Kindheitserinnerung</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 05:23:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>caterina</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Auto/biographie]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Auschwitz]]></category>
		<category><![CDATA[Georges Perec]]></category>
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		<category><![CDATA[Judenvernichtung]]></category>
		<category><![CDATA[W oder Die Kindheitserinnerung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Das Buch vereint zwei Geschichten, die sich in sehr kurzen Kapiteln abwechseln und scheinbar keinen Bezug zueinander haben. Auf der einen Seite die ‚autobiographische’ Erzählung des Autors Georges Perec, der von sich behauptet, keine Erinnerung an seine Kindheit zu haben, und der diese verlorene Kindheit anhand von Fotografien, Dokumenten und den wenigen Erinnerungen, die ihm geblieben sind oder die nun während des Schreibens zurückkehren, zu rekonstruieren versucht.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/01/19/georges-perec-w-oder-die-kindheitserinnerung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1878&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><em><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1880" title="perec" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2012/01/perec.jpg?w=129&#038;h=200" alt="" width="129" height="200" />W oder Die Kindheitserinnerung</em>: Schon der Titel – der Buchstabe «W», im Französischen «double v», sowie die beiden durch die Konjunktion «oder» verbundenen Komponenten – verweist auf die Zweiteilung des Textes. Das Buch vereint zwei Geschichten, die sich in sehr kurzen Kapiteln abwechseln und scheinbar keinen Bezug zueinander haben. Auf der einen Seite die ‚autobiographische’ Erzählung des Autors Georges Perec, der von sich behauptet, keine Erinnerung an seine Kindheit zu haben, und der diese verlorene Kindheit anhand von Fotografien, Dokumenten und den wenigen Erinnerungen, die ihm geblieben sind oder die nun während des Schreibens zurückkehren, zu rekonstruieren versucht. <span id="more-1878"></span>Auf der anderen – ‚fiktiven’ – Seite die Reise des Erzählers Gaspard Winckler nach Feuerland, wo er auf der Insel W eine Gesellschaft entdeckt, die sich ganz und gar dem Sport verschrieben hat. Wenn bisher die Wörter ‚Autobiographie’ und ‚Fiktion’ in Anführungszeichen standen, dann liegt dies daran, dass es sich lediglich um eine grobe Unterscheidung handelt, die bei näherer Betrachtung nicht standhält.</p>
<p style="text-align:justify;">Georges Perec wurde 1936 als Kind jüdisch-polnischer Eltern in Paris geboren. 1940 starb sein Vater Icek Peretz, der zu Beginn des Zweiten Weltkrieges freiwillig der französischen Armee beigetreten war. Ein Jahr später beschloss dessen Frau Cyrla, den gerade einmal fünfjährigen Georges mit einem Transport des Roten Kreuzes in die freie Zone zu seinem Onkel und seiner Tante zu schicken, wo er getauft wurde, den französierten Namen Perec annahm und eine katholische Schule besuchte. Nach dem Krieg wurde er vom Onkel adoptiert, seine Mutter war 1943 nach Auschwitz deportiert worden: Ihr Tod durchzieht wie ein Leitmotiv nicht nur <em>W oder Die Kindheitserinnerung</em>, sondern Perecs gesamtes Werk. Die Geschichte <em>W</em> schrieb er zum ersten Mal mit dreizehn, nun fügt er sie in seine Autobiographie ein, damit sie die «zerrissenen Fäden» seiner Erinnerungen ersetzt.</p>
<p style="text-align:justify;">Paradoxerweise intensiver und auch bewusster als in der autobiographischen Erzählung wird der Holocaust in der Parallelgeschichte um die Insel W thematisiert, obgleich er mit keinem einzigen Wort Erwähnung findet, sondern auf bemerkenswerte Weise suggeriert wird. Das gesamte Leben auf der Insel ist geprägt vom Streben nach dem olympischen Ideal, es geht um die Verherrlichung des Körpers und des Triumphes, um die Herausbildung nicht von Menschen, sondern von Athleten. Schon bald erweist sich diese Idealgesellschaft jedoch als eine albtraumhafte Realität, in der Grausamkeit und Willkür herrschen – eine Realität, die mit fortschreitender Schilderung immer mehr die Züge eines Konzentrations- und Vernichtungslagers annimmt: «Das Gesetz ist unerbittlich und unvorhersehbar, niemand kann es kennen, aber Unkenntnis schützt vor Strafe nicht»*. Die fiktive Gesellschaft W wird so zu einer außerordentlichen und drastischen Allegorie für jene Geschichte (im Sinne von Menschheitsgeschichte), die dem Autor Georges Perec seine Eltern und seine Kindheit nahm.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Text ist aber auch in einem anderen Sinne zweigeteilt: Während Perecs Mutter in der ersten Hälfte sehr wohl in den Kindheitserinnerungen des Autors erscheint, wird sie im zweiten Teil mit keinem Wort mehr erwähnt. Und doch ist sie auch hier präsent, wird heraufbeschworen durch den Staat W, der nichts anderes ist als das Vernichtungslager Auschwitz – der Grund für ihre Abwesenheit. Diese Zäsur, das Verschwinden der Mutter, wird symbolisiert durch das Auslassungszeichen «…», das die zwei Hälften des Textes voneinander trennt. Der erste Teil endet mit einem in Kursiv gesetzten Kapitel über Winckler, der zweite beginnt mit der Schilderung von W, auch diese in Kursiv: Das Prinzip des Alternierens ist also unterbrochen, die Auslassung – das fehlende autobiographische Kapitel – enthält das Verschwinden der Mutter, ihre Deportation nach Auschwitz. Um diese Leerstelle herum sind die beiden Teile der Textes geschrieben: «Mein Familienname lautet Peretz. Er kommt in der Bibel vor. Im Hebräischen bedeutet er ‹Loch›».</p>
<p style="text-align:justify;">Gewiss, dies ist kein Text, den man abends vorm Schlafengehen liest, und zunächst mag man irritiert sein, da man nicht begreift, worauf die fiktive Geschichte um das Volk W hinaus will, welche Bedeutung sie hat und weshalb sie in Perecs Kindheitserinnerungen einbettet ist. Erst wenn man sich mit der Biographie und dem Werk des Autors eingehend auseinandersetzt, entfaltet <em>W oder Die Kindheitserinnerung</em>, das lange Zeit vergriffen war und nun erfreulicherweise in einer Neuauflage bei <a href="http://www.diaphanes.de/pdfs/diaphanes_literatur_2012_1.pdf" target="_blank">diaphanes</a> erscheint, seine ganze beklemmende Wirkung. Es ist der Versuch, das Undarstellbare darstellbar zu machen: Indem der Schriftsteller das Trauma – den Verlust der Eltern im Besonderen und die Gräuel des Krieges im Allgemeinen – in eine Metapher umwandelt, wird es (be)greifbar, sagbar, schreibbar. Und über den Vorgang des Schreibens, des Festhaltens geht es in das individuelle und zugleich in das kulturelle Gedächtnis über.</p>
<p style="text-align:justify;">* Die Übersetzungen aus dem Französischen stammen von mir.</p>
<p style="text-align:justify;">Georges Perec<br />
<em>W oder Die Kindheitserinnerung</em><br />
übersetzt von Eugen Helmlé<br />
diaphanes, März 2012, 176 Seiten</p>
<p style="text-align:justify;"><em>Die Rezension ist zeitgleich auf <a href="http://caterinaseneva.wordpress.com/2012/01/19/suggestion/" target="_blank">SchöneSeiten</a> erschienen.</em></p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/autobiographie/'>Auto/biographie</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1878/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1878&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Lizzie Doron: Das Schweigen meiner Mutter</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 08:58:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>synaesthetisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Auto/biographie]]></category>
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		<category><![CDATA[Das Schweigen meiner Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
		<category><![CDATA[Lizzie Doron]]></category>
		<category><![CDATA[Shoa]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Wie mag das sein, wenn man inmitten einer Gemeinschaft aufwächst, in der jedes Kind von diesem mysteriösen Ort "Shoa" schon einmal gehört hat, nur man selbst nicht? Wenn die Biographie der eigenen Mutter nur so alt ist wie das eigene achtjährige Selbst und der Vater nur als Schatten durch das eigene Leben streicht? Lizzie Doron hat in ihrem neuesten, zutiefst autobiographischen Roman versucht, diese Fragen zu beantworten. Eigentlich hat die kleine Alisa einen großartigen Vater, denn seine Abwesenheit bietet unendlich viel Raum zum Phantasieren. Und Phantasie hat schon das kleine Mädchen genug. So wird der Vater mal zum heldenhaften Partisanen, dann wieder zum Toten oder Kapo im KZ gemacht.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/01/13/lizzie-doron-das-schweigen-meiner-mutter/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1766&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Wie mag das sein, wenn man inmitten einer Gemeinschaft aufwächst, in der jedes Kind von diesem<a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/01/13/lizzie-doron-das-schweigen-meiner-mutter/doron_das_schweigen_meiner_mutter/" rel="attachment wp-att-1770"><img class="alignright  wp-image-1770" title="doron_das_schweigen_meiner_mutter" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2012/01/doron_das_schweigen_meiner_mutter.jpg?w=107&#038;h=164" alt="" width="107" height="164" /></a> mysteriösen Ort &#8220;Shoa&#8221; schon einmal gehört hat, nur man selbst nicht? Wenn die Biographie der eigenen Mutter nur so alt ist wie das eigene achtjährige Selbst und der Vater nur als Schatten durch das eigene Leben streicht? Lizzie Doron hat in ihrem neuesten, zutiefst autobiographischen Roman versucht, diese Fragen zu beantworten. Eigentlich hat die kleine Alisa einen großartigen Vater, denn seine Abwesenheit bietet unendlich viel Raum zum Phantasieren. Und Phantasie hat schon das kleine Mädchen genug. So wird der Vater mal zum heldenhaften Partisanen, dann wieder zum Toten oder Kapo im KZ gemacht.</p>
<p><span id="more-1766"></span></p>
<p style="text-align:justify;">Natürlich fragt Lizzie ihre Schulfreunde, Nachbarn und immer wieder ihre Mutter: Wer ist mein Vater und vor allem, wo ist er? Doch ihre Mutter, eine Respektsperson des Viertels, hat alle angewiesen, eisern zu schweigen. Niemand bricht das Gelübde, am wenigsten die Mutter selbst. Zwischen Mutter und Tochter tobt ein Kampf, der keinen Sieger kennt: &#8220;Meine Mutter wollte verbergen, ich wollte aufdecken.&#8221; Werden die Fragen der Tochter zu bohrend, zerhackt sie Gemüse in der Küche, so als wolle sie Vergangenheit und Erinnerung gleichermaßen zerstückeln. Und eine zerstückelte Geschichte des Vaters ist es auch, was Lizzie bleibt. Aus eigenen blassen Erinnerungen und Andeutungen anderer reimt sie sich ein Bild zusammen. Begierig wünscht sie sich auch eine Familiengeschichte wie die einer Freundin, in der alle Verwandten in der Shoa verbrannt worden sind, natürlich ohne überhaupt zu wissen, was es mit diesem Nicht-Ort auf sich hat.</p>
<p style="text-align:justify;">Es ist ein Treffen auf dem Friedhof, das Lizzie &#8211; inzwischen Mitte 50 &#8211; die kindliche Suche fortsetzen lässt. Plötzlich ist alles wieder da: die eigene Geschichtslosigkeit, das erstickende Schweigen und die vielen unbeantworteten Fragen:</p>
<p style="text-align:right;"><em>Was habt ihr mir eigentlich ersparen wollen? Warum habt ihr mir nichts gesagt? Warum habt ihr mir nicht gesagt, dass er lebt? Warum habt ihr mir nicht gesagt, dass er gestorben ist? Was war da? Gab es vielleicht doch etwas anderes, ein dunkles Geheimnis, irgendeinen Wahnsinn?</em></p>
<p style="text-align:justify;">Es gab ein Geheimnis um den Vater und auch die Mutter, ein geradezu wahnwitziges. Stück für Stück folgt der Leser Lizzie Doron und den vielen Gesprächen, die sie auf die Spur der Eltern führen. Zwischen Neugier auf die eigene Geschichte und der drückenden Angst vor deren Enthüllung sichtet Doron alte Fotoalben, erinnert sich an Sequenzen aus ihrer Kindheit und schreibt dabei voller Trauer, Zynismus und Selbstironie. Mit <em>Das Schweigen meiner Mutter</em> ist es Doron gelungen, Frieden mit ihrer persönlichen Geschichte zu schließen. Der Roman beweist einmal mehr, dass Geschichte, wird über sie nicht gesprochen und reflektiert, zur Wiederholung verdammt ist, und plädiert entschieden dafür, zu erzählen. Auch, wenn es weh tut.</p>
<p><em>Lizzie Doron: Das Schweigen meiner Mutter</em><br />
<em>Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler</em><br />
<em>Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011</em><br />
<em>216 Seiten, 14,90 Euro</em></p>
<p>Diese Rezension ist zeitgleich auf <a href="http://synaesthetisch.wordpress.com" target="_blank">syn-ästhetisch</a> erschienen.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/autobiographie/'>Auto/biographie</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1766/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1766&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Iván Sándor: Spurensuche</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 09:22:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>flattersatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Auto/biographie]]></category>
		<category><![CDATA[Deportation]]></category>
		<category><![CDATA[Iván Sándor]]></category>
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		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Ende 1944 wurden in Ungarn von den Nationalsozialisten große Anstrengungen unternommen, die dortigen Juden auszurotten. Die Aktion stand unter der Leitung von Adolf Eichmann und wurde mit tatkräftigster Unterstützung der Pfeilkreuzler in Angriff genommen. Vor der (Welt)Öffentlichkeit sollte eine gewisse Tarnung aufrecht erhalten werden, indem die Juden offiziell "nur" zum Arbeitseinsatz in Deutschland getrieben wurden. Jedem, der sehen wollte, war natürlich klar, dass die Art und Weise, wie bei der Deportation vorgegangen wurde, nur eine Schlussfolgerung übrig ließ. Auch der damals 14-jährige Autor wurde mit seiner Familie und seiner 12-jährigen Freundin Vera in einen Marschkonvoi gesteckt und zur Sammelstelle in der alten Ziegelei geführt.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2012/01/08/ivan-sandor-spurensuche/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1760&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-8604" title="Spuren" src="http://radiergummi.files.wordpress.com/2011/01/spuren.jpg?w=750" alt=""   /></p>
<p style="text-align:justify;">Ende 1944 wurden in Ungarn von den Nationalsozialisten große Anstrengungen unternommen, die dortigen Juden auszurotten [7]. Die Aktion stand unter der Leitung von Adolf Eichmann. Sie wurde mit tatkräftigster Unterstützung der Pfeilkreuzler [6] in Angriff genommen. Vor der (Welt)Öffentlichkeit sollte eine gewisse Tarnung aufrecht erhalten werden, indem die Juden offiziell &#8220;nur&#8221; zum Arbeitseinsatz in Deutschland getrieben wurden. Jedem, der sehen wollte, war natürlich klar, dass die Art und Weise, wie bei der Deportation vorgegangen wurde, nur eine Schlussfolgerung übrig ließ; im späteren Verlauf der Aktion wurde die Ermordung der Juden auch ganz offen durchgeführt. &#8220;Zur Donau&#8221; gebracht zu werden war für die Verfolgten gleichbedeutend mit Erschießung. Zur gleichen Zeit befand sich Budapest in einem militärisch aussichtslosen Kampf gegen die vordringende Rote Armee, den ausdrücklichen Befehlen Hitlers zufolge sollte die Stadt auf jeden Fall ohne Rücksicht auf Verluste gehalten werden.</p>
<p style="text-align:justify;">Auch der damals 14-jährige Autor wurde mit seiner Familie und seiner 12-jährigen Freundin Vera in einen Marschkonvoi gesteckt und zur Sammelstelle in der alten Ziegelei (vielleicht dieselbe, die Kértesz in seinem Roman [9] beschreibt) geführt. Dort wurden dann ausnahmsweise alle unter 16 und über 60-Jährigen aussortiert und sie blieben in der Stadt. Das Verbleiben bzw. Überleben in der Stadt war eine immerwährende Flucht von einem Rot-Kreuz-Quartier in ein nächstes, von einem Schutzhaus in das nächste. Wobei der Begriff &#8220;Schutz&#8221; relativ war, da die Pfeilkreuzler sich keineswegs vor Übergriffen hüteten. Immer wieder trifft Ivan in diesen Tagen auf einen Packard mit Diplomatenstatus, erst später erfährt er, dass der Mann, der sich hier Tag und Nacht für die Verfolgten einsetzt, Carl Lutz heißt und schweizerischer Vizekonsul ist. Zusammen mit dem Schweden Wallenberg gelingt es dem Schweizer unter hohem persönlichem Einsatz, viele tausend Verfolgte durch z.B. Ausgabe falscher Schutzpapiere <a href="http://radiergummi.files.wordpress.com/2011/01/spurensuche-schutzpass.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-8620" title="spurensuche schutzpass" src="http://radiergummi.files.wordpress.com/2011/01/spurensuche-schutzpass.jpg?w=99&#038;h=150" alt="" width="99" height="150" /></a> zu retten [siehe Links und Anmerkungen, Bildquelle [3]].</p>
<p style="text-align:justify;">Jahrzehnte später macht sich der Schriftsteller Iván Sándor auf, die Spuren dieser Monate wiederzufinden, zu verfolgen und so die Erinnerung an die Ereignisse im Winter 44/45 an Ort und Stelle lebendig werden zu lassen. Er durchwandert die Stadt auf den Wegen, die er damals ging, er sieht sie mit heutigen Augen und mit den Augen des 14-Jährigen, der er damals war. Seine Spuren sind seine Erinnerungen, sind Zettel und Briefe, Bilder und Stadtpläne. Es sind Gespräche und Träume, die er führt und sieht. Es ist seine persönliche Geschichte, mit der er vieles dem Vergessen entreißen will. Für Menschen, die damals und seitdem alle Verwandten verloren haben, ist er der Einzige, der noch von ihnen weiß; wenn er nicht davon erzählt, werden sie sein, als hätten sie nicht gelebt. Seine Tante Gizi etwa, die unter großen Gefahren als Bote, Kurier und Mensch so vieles für viele Menschen erreichen konnte. Oder Jolan Bors, die saubere Sachen besorgt, Nachrichten überbringt und Äpfel verteilt.</p>
<p style="text-align:justify;">Es ist ein steter Wechsel der Perspektive, den Sándor vollführt. Eben noch als Suchender seinen Spuren nachgehend, erzählt er unvermittelt vom Jungen, der seine Freundin an der Hand diese an die Wand drückt und abknutscht, weil ihm dies als einzige Möglichkeit erschien, den entgegenkommenden Häschern zu entkommen. Er sucht die Häuser auf, in denen sie damals überlebten, die Keller, aus deren Dunkelheit, Enge und Gestank sie kaum auftauchen konnten&#8230;.Manches scheint fast unverändert, anderes ist kaum wiederzuerkennen. Baumärkte und Erotik-Shops, wo Jahrzehnte zuvor Menschen zu Tod gejagt wurden&#8230; Und immer wieder ist Lutz Retter, stellt sich den Horden entgegen, stellt Dokumente aus, gibt Geld und kann für Unterschlupf sorgen. Retter gegen den Willen seiner Vorgesetzten, die zwar um das Geschehen in Budapest wussten, dies aber erfolgreich ignorierten.</p>
<p style="text-align:justify;">Es ist ein biographischer Bericht mit vielen Unsicherheiten, natürlich. Eine Situation höchster Not, immer wiederkehrender direkter Lebensgefahr selektiert die Wahrnehmung, Ereignisse verschwimmen, überlagern sich, werden anders wahrgenommen oder gar nicht. Die lange Zeit tut ein Übriges. Es bleiben offene Stellen in Zeit und Raum, die Sándor nicht auffüllen kann, für die es keine Zeugnisse mehr gibt. Die übergeordnete Lage ist klar, sie wird durch Zitate belegt; den persönlichen Weg wiederzufinden dagegen ist harte Arbeit. Sein Leben lang hat er sich darauf vorbereitet, diesen einen Weg des Winters 44/45 noch einmal zu gehen, sich den Fragen nach dem Wie, Wo und Warum zu stellen. Herausgekommen ist dieses Buch.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Facit</strong>: ein sehr ergreifendes Buch, eher Dokumentation als Roman, sehr eindringlich und mit vielen Fakten.</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Links und Anmerkungen</strong>:<br />
[1] Die Vorgänge um die berüchtigten Todesmärsche in Ungarn sind auf dieser Seite über den Schweden Wallenberg ausführlich dargestellt: <a href="http://www.raoul-wallenberg.de/" target="_blank">http://www.raoul-wallenberg.de/</a>, insbesondere in diesem <a href="http://www.raoul-wallenberg.de/Wallenberg/Rettung__Teil_2_/rettung__teil_2_.html" target="_blank">Abschnitt über die Rettungsaktionen</a>. (Die Navigation auf der Webseite ist leider etwas umständlich, aber es lohnt, sich durchzuklicken!).<br />
[2] Eine kurze <a href="http://www.judentum-projekt.de/geschichte/nsverfolgung/rettung/wallenberg.html" target="_blank">Biographie Wallenbergs</a>.<br />
[3] Die Website der <a href="http://www.uveghaz.org/?categoryId=36511" target="_blank">Carl-Lutz-Gedächtnisstätte</a> in Budapest.<br />
[4] Die Websuche &#8220;<em>Ungarn Todesmärsche</em>&#8221; bringt eine lohnende Anzahl auch von persönlichen Berichten über diesen Aspekt des nationalsozialistischen Vorhabens, das Judentum und die Juden in Europa auszurotten.<br />
[5] Interview mit <a href="http://www.sandammeer.at/portraits/sandor.htm" target="_blank">Sándor über den Roman</a>.<br />
[6] Wiki-Artikel zu den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pfeilkreuzler" target="_blank">Pfeilkreuzlern</a>.<br />
[7] &#8220;Während der großen Transporte aus Ungarn, mit denen in zwei Monaten fast eine halbe Million Deportierter in Birkenau eintraf, waren die Gaskammern Tag und Nacht in Betrieb. Hunderte von Opfern wurden im Lagerwäldchen erschossen. Da die Kapazität der Krematorien nicht mehr ausreichte, verbrannte man die Leichen in großen Gruben unter freiem Himmel.<br />
Die jüdischen Sonderkommandos, die in den Vernichtungslagen arbeiten mussten, wurden selbst jeweils nach einigen Wochen liquidiert.&#8221; (Gerhard Schoenberner: <em>Der gelbe Stern</em>, Fischer TB 3463, 1982, S. 225).</p>
<p style="text-align:justify;"><em>Iván Sándor<br />
Katalin Fischer (Übersetzer)<br />
<strong>Spurensuche</strong><br />
Eine Nachforschung<br />
dtv 2009, 340 S.</em></p>
<p style="text-align:justify;">Erstveröffentlichung der Besprechung bei <a href="http://radiergummi.wordpress.com/2011/01/03/ivan-sandor-spurensuche/" target="_blank">aus.gelesen</a>.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/autobiographie/'>Auto/biographie</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1760/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1760&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Nicole Krauss: Die Geschichte der Liebe</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 10:05:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Gust-Kazakos</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Die Geschichte der Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
		<category><![CDATA[Nicole Krauss]]></category>
		<category><![CDATA[Polen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Dies ist eine sehr schöne und bemerkenswerte Geschichte, sprachlich überzeugend (am Ende fast experimentell) mit einer überraschenden Wende und einem wunderbar melancholischen Ende. Dabei geht es natürlich nicht um eine historische Spurensuche, während die Geschichte der Liebe im Allgemeinen erforscht wird. Es geht eher um die Geschichte <em>einer</em> Liebe. Einer ganz besonderen.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2011/12/28/nicole-krauss-die-geschichte-der-liebe/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=533&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong></strong>Dies ist eine sehr schöne und bemerkenswerte Geschichte, sprachlich überzeugend (am Ende fast experimentell) mit einer überraschenden Wende und einem wunderbar melancholischen Ende. Dabei geht es natürlich nicht um eine historische Spurensuche, während die Geschichte der Liebe im Allgemeinen erforscht wird. Es geht eher um die Geschichte <em>einer</em> Liebe. Einer ganz besonderen. Und eigentlich ist die Autorin gar nicht die Autorin der <em>Geschichte der Liebe</em>, sondern einer der Protagonisten, Leo Gursky, der als junger Mann in den 1930er Jahren in Polen das Buch schrieb und es seiner großen Liebe Alma widmete. Sie verlieren sich in den Kriegswirren, obwohl sie beide später in die Staaten emigrieren. Auch das Buch geht verloren und macht seine eigene Reise.<span id="more-533"></span></p>
<p style="text-align:justify;"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-573" title="" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2011/05/krauss.jpg?w=120&#038;h=200" alt="" width="120" height="200" />Mittlerweile ist Leo ein einsamer, alter Mann in New York, der verrückte Dinge tut, um „gesehen“ zu werden. Noch immer besitzt er die Gabe, sich Dinge so eindringlich vorzustellen, dass sie wahr zu sein scheinen. Auch für den Leser. Wirklichkeit und Illusion vermischen sich.</p>
<p style="text-align:justify;">Die zweite Hauptfigur ist Alma, nicht Leos große Liebe von damals, sondern ein junges Mädchen, dessen Eltern sie nach der Hauptfigur eines spanischen Buchs genannt haben. Alma hat mit ganz anderen Dingen zu kämpfen, mit den kleinen Katastrophen, die das Leben in einer modernen Gesellschaft mit sich bringt, wenn man auf dem Weg ist, erwachsen zu werden. Ihr Vater ist tot, ihr Mutter wird eigen und ihr Bruder ist sowieso schon ziemlich eigen, u.a. hält er sich für den Messias. Ihrem Tagebuch vertraut Alma ihre Geschichte an – wieder eine Niederschrift der Geschichte einer Alma und wieder eine Geschichte des Überlebens. Im übertragenen Sinne macht sich Alma bereit, in der Wildnis zu überleben, denn sie hat von ihrem Vater dessen Liebe zur Natur geerbt und unterwirft sich allerlei Experimenten, um auf sich gestellt im Nirgendwo zurechtzukommen. Eine Erfahrung, die ihr Leo bereits voraus hat. Schließlich macht sich Alma auf die Suche dem Verfasser des Buchs und nach Alma.</p>
<p style="text-align:justify;">Nicole Krauss<br />
<em>Die Geschichte der Liebe</em><br />
Rowohlt, 2005, 346 S.</p>
<p>Erstveröffentlichung der Rezension im &#8220;Virtuellen Literarischen Salon&#8221;, dem Newsletter von <a href="http://phileablog.wordpress.com" target="_blank">philea&#8217;s Blog</a>.</p>
<p>Weitere Leseeindrücke der <em>Geschichte der Liebe</em> findet ihr bei <a href="http://radiergummi.wordpress.com/2010/09/11/nicole-krauss-die-geschichte-der-liebe/" target="_blank">aus.gelesen</a> und <a href="http://synaesthetisch.wordpress.com/2011/03/23/nicole-krauss-the-history-of-love/" target="_blank">syn-ästhetisch</a>.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/533/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=533&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Andrea von Treuenfeld: In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 12:37:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea von Treuenfeld]]></category>
		<category><![CDATA[In Deutschland eine Jüdin - eine Jeckete in Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Andrea von Treuenfeld, geb. 1957, hat in Münster Publizistik und Germanistik studiert und nach einem Volontariat bei einer Tageszeitung lange als Kolumnistin, Korrespondentin und Redakteurin für namhafte Printmedien, darunter <em>Welt am Sonntag</em> und <em>Wirtschaftswoche</em>, gearbeitet. Heute lebt sie in Hamburg und schreibt als freie Journalistin Biografien und Reportagen mit dem Schwerpunkt Israel, das sie regelmäßig bereist, seit sie Ende der siebziger Jahre zum ersten Mal in einem Kibbuz lebte und dort Menschen traf, die aus Nazideutschland geflohen waren.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2011/12/21/andrea-von-treuenfeldin-deutschland-eine-judin-eine-jeckete-in-israel/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1502&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Andrea von Treuenfeld, geb. 1957, hat in Münster Publizistik und <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2011/12/21/andrea-von-treuenfeldin-deutschland-eine-judin-eine-jeckete-in-israel/von-treuenfeld/" rel="attachment wp-att-1505"><img class="alignright size-full wp-image-1505" title="von treuenfeld" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2011/10/von-treuenfeld.jpg?w=750" alt=""  /></a>Germanistik studiert und nach einem Volontariat bei einer Tageszeitung lange als Kolumnistin, Korrespondentin und Redakteurin für namhafte Printmedien, darunter <em>Welt am Sonntag</em> und <em>Wirtschaftswoche</em>, gearbeitet. Heute lebt sie in Hamburg und schreibt als freie Journalistin Biografien und Reportagen mit dem Schwerpunkt Israel, das sie regelmäßig bereist, seit sie Ende der siebziger Jahre zum ersten Mal in einem Kibbuz lebte und dort Menschen traf, die aus Nazideutschland geflohen waren. Auch später bei weiteren Aufenthalten und bei der Begegnung mit anderen deutschen Juden stellte sie sich immer wieder die folgenden Fragen:<span id="more-1502"></span></p>
<p style="text-align:right;"><em>„Wie war es, die Schule, die Freunde und manchmal auch die Eltern und Geschwister verlassen zu müssen? Wie war es, legal per Schiff oder illegal auf dem Landweg, in ein neues Leben aufzubrechen, in dem absolut nichts mehr war wie zuvor? Wie war es, sich im Unbekannten einzurichten, Familien zu gründen und wachsen zu sehen – während der Holocaust erst langsam bekannt wurde und damit auch die Verluste in der eigenen Verwandtschaft?“</em></p>
<p style="text-align:justify;">Eine der in diesem Buch von Andrea von Treuenfeld interviewten Frauen, Dr. Elly Freund, eine Kinderärztin aus Breslau, vertraute ihr an: <em>„Hundert Jahre könnte man füllen mit Geschichten. Aber die Geschichten gehen verloren, weil wir nicht reden können. Ein ganz großes Schweigen, von einer Generation zur nächsten“. </em>Da entschloss sich Andrea von Treuenfeld, mit all den Frauen Gespräche zu führen, die sie bei Besuchen und Aufenthalten in Israel kennengelernt hatte, und deren Geschichte aufzuzeichnen. Frauen kommen hier zu Wort, die in ihrer neuen Heimat verspottet und teilweise auch verachtet wurden, weil ihre Einwanderung nicht zionistisch motiviert war. In Deutschland als Jude ausgegrenzt und verfolgt, wurden sie nun in Palästina als „Jecke“ oder „Jeckete“ beschimpft. Die „Jeckes“ haben die als vermeintlich typisch deutsch angesehenen Eigenschaften, etwa Pünktlichkeit oder Ehrlichkeit, in Israel beibehalten und auch durch das Festhalten an ihrer Kultur das neue Land Israel geprägt wie kaum eine andere Gruppe von Einwanderern.</p>
<p style="text-align:justify;">Lange Zeit ist diesen Menschen, den „Jeckes“, in Israel die Anerkennung für ihre Lebensleistung versagt geblieben. Inzwischen aber wird ihr Andenken in Israel geehrt, und &#8211; wie Treuenfeld erleichtert feststellt &#8211; <em>„der Spottname ist zur Auszeichnung geworden“</em>. Wenn man diese 16 bewegenden und berührenden Lebensgeschichten liest, weiß man auch warum.<em></em></p>
<p><em>Andrea von Treuenfeld<br />
In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel<br />
<em>Gütersloher Verlagshaus</em>, September 2011, 240 Seiten<br />
</em></p>
<p>Wir danken unserem Gastautor Winfried Stanzick für diese Rezension.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/autobiographie/'>Auto/biographie</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/hintergrunde/'>Hintergründe</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/hintergrunde/menschen/'>Menschen</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/sachbuch/'>Sachbuch</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1502/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1502&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Steve Sem-Sandberg: Die Elenden von Łódź</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 09:38:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>flattersatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Die Elenden von Łódź]]></category>
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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Sem-Sandberg erzählt in seinem Roman <em>Die Elenden von Łódź</em> die Geschichte dieses Ghettos anhand der Person ihres obersten Repräsentanten, des Vorsitzenden des Judenrates, des Ältesten, des Präses: Mordechai Chaim Rumkowski. Während das Warschauer Ghetto in die Geschichte eingegangen ist mit seinem Widerstand, der sich im blutigen Aufstand gegen die Besatzer manifestierte, beschritt Rumkowksi den anderen Weg, den der Anpassung: ein faustischer Pakt mit dem Teufel, den Rumkowski den Besatzern anbietet.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2011/12/15/steve-sem-sandberg-die-elenden-von-lodz/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1520&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:right;"><em>&#8220;&#8230; bis zum Jahr 1940 waren die allgemeinen Richtlinien innerhalb des </em>[im RSHA zuständigen]<em> Referats, die Judenfrage in Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten durch eine planmäßige Auswanderung zu regeln. Als zweite Phase kam von diesem Zeitpunkt an die Konzentrierung aller Juden in Polen und den übrigen von Deutschland besetzten Gebieten des Ostens, und zwar in Form von Gettos. Diese Periode dauerte ungefähr bis zu Beginn des Jahres 1942. Als dritte Periode kam die sogenannte Endlösung der Judenfrage, das heißt, die planmäßige Ausrottung und Vernichtung des jüdischen Volkes. Diese Periode dauerte bis zum Oktober 1944, bis Himmler den Befehl gab, diese Vernichtung einzustellen.&#8221;</em> [4]</p>
<p style="text-align:justify;"><img class="size-full wp-image-10862 alignright" title="Rum" src="http://radiergummi.files.wordpress.com/2011/10/rum.jpg?w=750" alt=""   />Nachdem in der nationalsozialistischen Regierung der phantastische Plan, die Juden aus Europa nach Madagaskar auszusiedeln [5], aufgegeben wurde, weil sich u.a. durch den anfangs erfolgreichen Feldzug im Osten dort riesige Räume öffneten, die man zum einen judenfrei machen wollte [8] und und die andererseits den Platz boten für große Lager und Sammelräume, wurde die Errichtung von Ghettos in den osteuropäischen Städten begonnen. In diesen wurde die jüdische Bevölkerung zusammengetrieben, konzentriert und eingepfercht, das Verlassen der Bezirke war verboten.<span id="more-1520"></span></p>
<p style="text-align:justify;">Große, bekannte Ghettos gab es in Warschau, Lublin, Krakau und eben auch in Łódź (Litzmannstadt [1]), insgesamt wurden über 50 Ghettos eingerichtet. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass Ghettos nicht einfach nur kleine Bereiche sind, in denen ein paar Menschen leben, es sind mit Stacheldrahtzäunen und Mauern abgetrennte Stadtbezirke mit Hunderttausenden von Einwohnern in der Größenordnung von Großstädten. Selbstverständlich braucht damit auch ein Ghetto eine Verwaltung, eine Bürokratie, die die elementarsten Vorgänge, die auch hier aufrecht erhalten werden müssen, organisiert. Die Verwaltung des Ghettos Litzmannstadt umfasste später bis zu 13.000 Personen, für die interne Leitung eines Ghettos wurde ein Judenrat eingesetzt, dem ein Ältester vorstand. Es gab auch einen rein jüdischen Ordnungsdienst, der für die Aufrechterhaltung der internen Ordnung im Ghetto zuständig war und der in seiner Vorgehensweise ähnlich brutal agierte [6] wie die deutsche Polizei, die natürlich auch jederzeit tätig werden konnte und für die Gesamtbewachung des Ghettos und die Abriegelung nach außen zuständig war.</p>
<p style="text-align:right;"><em>&#8220;Die Erstellung des Gettos ist selbstverständlich nur eine Übergangsmaßnahme. Zu welchem Zeitpunkt und mit welchen Mitteln das Getto und damit die Stadt Lodsch von Juden gesäubert wird, behalte ich mir vor. Endziel muss jedenfalls sein, dass wir diese Poestbeule restlos ausbrennen.</em> <em><br />
gez. Uebelhör&#8221;</em></p>
<p style="text-align:justify;">Sem-Sandberg erzählt in seinem Roman <em>Die Elenden von Łódź</em> die Geschichte dieses Ghettos anhand der Person ihres obersten Repräsentanten, des Vorsitzenden des Judenrates, des Ältesten, des Präses: Mordechai Chaim Rumkowski [3]. Während das Warschauer Ghetto in die Geschichte eingegangen ist mit seinem Widerstand, der sich im blutigen Aufstand gegen die Besatzer manifestierte, beschritt Rumkowksi den anderen Weg, den der Anpassung:</p>
<p style="text-align:right;"><em>&#8220;Benötigen Sie siebenhundert Arbeiter, dann wenden Sie sich an uns: Wir geben Ihnen siebenhundert Arbeiter.<br />
Benötigen Sie tausend, dann geben wir Ihnen tausend. Doch verbreiten Sie keine Angst unter uns. Reißen Sie die Männer nicht von ihrer Arbeit weg, die Frauen nicht aus ihrem Zuhause, die Kinder nicht aus ihren Familien.<br />
Lassen Sie uns in Ruhe und Frieden leben &#8211; und wir versprechen Ihnen, soweit es in unseren Kräften steht, behiflich zu sein.&#8221;</em></p>
<p style="text-align:justify;">Ein faustischer Pakt mit dem Teufel, den Rumkowski den Besatzern anbietet. Aus der Sicht der damaligen Zeit, in der der Begriff &#8220;Endlösung&#8221; im Geheimen erst noch im Entstehen war und in dem das Ghetto in seiner auf Sterben hin orientierten Unmenschlichkeit noch nicht vollendet war, vielleicht sogar vertretbar. Ein anscheinend geringer Preis, 1.000 Menschen zur Arbeit abzukommandieren, wenn man dafür die (geschätzt 320.000) Juden vor ansonstigen Übergriffen schützen kann.</p>
<p style="text-align:justify;">Am 13. Oktober 1939 wurde Rumkowski zum Vorsitzender des von diesem Zeitpunkt an herrschenden Ältestenrates ernannt. Und in gewisser Weise war er damit auch erfolgreich. Er bekam das Ghetto als &#8220;Lehen&#8221; und wurde zum eingesetzten Vasallenkönig der deutschen Zivilverwaltung. Bei einem Besuch Himmlers diente er auch diesem das Ghetto als &#8220;Arbeiterstadt&#8221; an (was diesen erstaunen und entgegnen ließ, dass das keine Arbeiterstadt, sondern ein Ghetto sei). Und in der Tat war die Wertschöpfung &#8220;seines&#8221; Ghettos (Rumkowski verwendete dieses Possessivpronomen gerne und oft, so wie er überhaupt stark monarchische Züge in der Ausübung seines Amtes entwickelte) eine Größenordnung höher als die anderer, in der Größe vergleichbarer Ghettos. In den Werkstätten wurde von kriegswichtigem Material bis hin zu Büstenhaltern alles Mögliche hergestellt. Als im &#8220;Reich&#8221; die Bombadierungen der Alliierten viel Wohnraum zerstörten, wurden sogar kleine Häuser als Notunterkünfte produziert. Es ist geradezu grotesk, dass zum 3-jährigen Bestehen des Ghettos sogar ein Festakt mit Ausstellung organisiert wurde, der aber letztlich in einem Chaos endete, da man sich beim Büfett mit Lebensmitteln überfraß, die aus verdorbenen Ausgangsmaterialien hergestellt worden waren.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Preis dafür war die Willfährigkeit Rumkowskis gegen die Deutschen, das Ausführen der Forderungen, das Beschwichtigen der eigenen Leute, das Beschönigen, das Belügen: <em>&#8220;&#8230; Nur im Getto, unter meinem Schutz, seid ihr sicher, weil ich mir ein für alle Male das Vertrauen der Behörden erworben habe&#8221;</em>. Denn egal wie &#8220;wichtig&#8221; die Produktivität des Ghettos war, das ideologisch übergeordnete Ziel war die Ermordung der Juden, entweder indirekt durch Ausnutzung der Arbeitskraft bis zum Eintritt des Todes durch den körperlichen Ruin oder direkt durch die sich langsam entwickelnde Tötungsmaschinierie der Deutschen. Dieser fielen in den ersten Stadien vor allem die nicht arbeitsfähigen Juden zum Opfer, Kinder, Kranke und Alte. Entsprechende Forderungen, zumeist verbrämt als Umsiedlungen [11], setzte Rumkowski mit seinen Anordnungen um. Ferner setzte er sich immer dafür ein, die Arbeitsleistung des Ghettos zu erhalten bzw. zu erhöhen, darin sah er die einzige Überlebenschance. Obwohl es nach den ersten Umsiedlungsaktionen, in denen die Mitnahme von Gepäck erlaubt war, das dann irgendwann später mal wieder ohne seine Besitzer auftauchte und aus den Zügen entladen wurde, klar sein musste, dass die Verbringung aus dem Ghetto mit einem Todesurteil gleichzusetzen ist, klammerten sich die Menschen lange an die Hoffnung und folgten den Anordnungen der jüdischen Ghettoverwaltung. Dieses Verhalten des Ältesten liest sich in Tagebuchaufzeichungen von Ghettobewohnern, die erhalten sind, so: <em>&#8220;&#8230; der Mann ist ein Monstrum. &#8211; Seine einzige Großtat bisher: in Rekordzeit sein eigenes Volk zu verschleudern und all dessen Habseligkeiten zu stehlen oder zu veruntreuen. Dennoch sieht eine Viertelmillion Menschen zu ihm auf wie zu einem Gott!&#8221;</em> (Vera Schulz, 11.12.1941).</p>
<p style="text-align:justify;">Was bisher in der Beschreibung relativ geordnet klingt, sah in der Realität natürlich ganz anders aus. Da das Ghetto sich nicht selbst versorgen konnte, war es von den Nahrungsmitteln abhängig, die ihm von den Besatzern, die die Tötung der Bewohner als endgültiges Ziel vor Augen hatten, zur Verfügung gestellt wurden. Faulender, verdorbener, verschimmelter Abfall in völlig unzureichender Menge: Mangel- und Unterernährung waren die Folge, viele Menschen verhungerten. Auch hier die Herrschaft des Hungerengels [10], des Hungerwolfs, des Hungersogs, dieses unbeschreibbaren Gefühls, das die Menschen in eine Zwischenzone zwischen Wahn und Wirklichkeit entführt, sie schwindeln und stürzen lässt, sie körperlich und seelisch immer weiter reduziert, bis sie zu allem bereit und zu nichts mehr fähig sind (und doch gibt es auch in diesem Zustand noch Beispiele von Selbstlosigkeit und der Bereitschaft, das Nichts, das man irgendwo ausgegraben hat und das einen vielleicht noch einen Tag am Leben halten kann, zu teilen).</p>
<p style="text-align:justify;">Es gab kein Brennholz, alles was brennbar war, musste in den strengen Wintern verheizt werden: Möbel, Bretter, Zäune&#8230; Der Frost war dadurch nicht zu besiegen. Es gab einige wenige Ärzte im Ghetto, auch ein Krankenhaus, aber von wirklicher ärztlicher/medizinischer Versorgung kann nur ein Zyniker sprechen. Radios, Zeitungen: alles verboten. Die Bevölkerung einer Großstadt auf dem Gebiet eines Stadteils, Menschen jeden Alters unter fürchterlichem Druck. Natürlich blühen in so einer &#8220;Gesellschaft&#8221; Korruption, Bestechung und Vetternwirtschaft &#8211; untereinander, aber auch mit deutschen Besatzern. Dies ging zum Teil so weit, dass die deutsche Ghettoverwaltung gegenüber ihren eigenen maßgeblichen Stellen auf die schlechte Versorgungslage im Ghetto hinwies, keineswegs aus humanitären Gründen, sondern um die eigenen Pfründe bedacht: <em>&#8220;&#8230; Niemand kann die Behauptung aufstellen, daß die Ghettobewohner von den ihnen zugewiesenen Lebensmitteln auf Dauer arbeitsfähig bleiben&#8230; Den klarsten Beweis für die Ernährungslage legen die rapide ansteigenden Sterbeziffern ab&#8221;</em> [7a], bzw. <em>&#8220;&#8230; ist die Ernährung der Juden in der jetzigen Form nicht mehr zu verantworten, weil andernfalls ein Absinken der Leistung zum Schaden der Wehrmacht eintreten würde. In den Werkstätten und Fabriken&#8230; brechen bereits die Arbeiter&#8230; an ihren Werkplätzen zusammen&#8221;</em> [7b].</p>
<p style="text-align:justify;">Im Ghetto etablierte sich bald eine Hierarchie von Leitungsfunktionen über untergeordnete Funktionsträger bis hin zur breiten Masse. Der Älteste mit seinem unmittelbaren Gefolge und seiner Familie hatte in einem weniger dicht bewohnten Teil des Ghettos &#8220;Sommerhäuser&#8221;, in denen sie dem Gedränge entkommen konnten, das Essen war besser, auch die medizinische Versorgung. Ihm standen eine Kutsche zu und Leibwächter. Es kam schließlich sogar so weit, dass junge Frauen gezwungen wurden, sich für Funktionsträger zu prostituieren. Die wirkliche Währung, die im Ghetto zählte, war nicht die Lagerwährung, die Rumskis, sondern Essensmarken und Arbeitsbescheinigungen. Wenn man die hatte, genoss man einen gewissen Schutz und relative Sicherheit. Selbstverständlich boomte der Schwarzmarkt, es wurde alles verkauft oder getauscht, was beweglich war. Irgendjemand im Ghetto konnte auch das augenscheinlich Nutzloseste für irgendetwas verwenden.</p>
<p style="text-align:justify;">Sem-Sandbergs Buch wird als Roman bezeichnet, er hat aber auch dokumentarischen Charakter. Ich habe ein Problem damit zu erkennen, was Fakten sind und wo die Grenze zur Fiktion, zum Romanhaften ist. Rumkowski z.B. ist kinderlos, mit seiner jungen Frau, die er im Ghetto geheiratet hat, adoptiert er einen Sohn. Diesem ist er nicht nur in väterlich oder platonischer Liebe verbunden (diese pädophile Neigung hindert ihn aber auch nicht, seine Finger unter den Rock einer jungen Frau zu gleiten zu lassen&#8230;). Inwieweit ist aber jetzt z.B. eine Szene wie die, in der seine Frau heimlich beobachtet, wie eine (Prügel-)Strafaktion, die er seinem Sohn verabreicht, übergeht in eine Masturbation, die er sich von seinem Sohn geben lässt, schriftstellerische Freiheit oder belegt?</p>
<p style="text-align:justify;">Es wird in der Beschreibung des Łódźscher Ghettos deutlich, dass selbst unter so extremen Bedingungen ein so großer &#8220;Organismus&#8221; nicht völlig unter Kontrolle zu bringen ist. So gab es trotz strengster Verbote viele geheime Radioempfänger in der Stadt, auf denen Front-/Kriegsnachrichten abgehört wurden, die dann in einer &#8220;geheimen&#8221; Abteilung des Archivs (dessen Aufzeichnungen <em>Ghettoarchiv</em> mittlerweile veröffentlicht sind) dokumentiert wurden. Diese Nachrichten hielten spätestens nach Stalingrad die Hoffnung im Ghetto am Leben, es war ein makabrer Wettlauf zwischen dem eigenen Tod durch Verhungern oder Deportieren und dem Auftauchen der Siegermächte über Hitlers Truppen.</p>
<p style="text-align:justify;">Rumkowski und Biebow (der Chef der zivilen deutschen Lageradministration) waren beide, aus verschiedenen Motiven, am Überleben des Ghettos interessiert. Beide haben wohl nicht erkannt, dass sie nur Figuren auf einem Schachbrett waren, die ganz woanders bewegt wurden mit ganz anderen Zielen. Am 30. August 1944 wurde Rumkowski mit dem letzten Transport nach Ausschwitz gebracht und dort wohl noch am selben Tag ermordet. Das Ghetto wurde mit diesem Transport aufgelöst.</p>
<p><strong>Anmkerungen und Links</strong>:</p>
<p style="text-align:justify;">[1] <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Litzmannstadt">http://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Litzmannstadt</a>.<br />
[2] <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chronik_des_Gettos_Lodz/Litzmannstadt">http://de.wikipedia.org/wiki/Chronik_des_Gettos_Lodz/Litzmannstadt</a>.<br />
[3] <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chaim_Rumkowski">http://de.wikipedia.org/wiki/Chaim_Rumkowski</a>.<br />
[4] Aussage von Wisliceny (SS-Hauptsturmführer und von 1940 bis 1944 „Beauftragter für jüdische Angelegenheiten“ für die Slowakei, Ungarn und Griechenland) bei den Nürnberger Prozessen, zitiert nach: Joe J. Heydecker und Johannes Leb: <em>Der Nürnberger Prozess</em>, Kiepenheuer &amp; Witsch, Köln, 1984, S. 412.<br />
[5] <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Madagaskarplan">http://de.wikipedia.org/wiki/Madagaskarplan</a>.<br />
[6] Diese Gewaltausübung im Dienst der Besatzer über die eigenen Leute mag auf den ersten Blick widersprüchlich sein. Es scheint aber so zu sein, dass sich, wenn man eine homogene Gruppe teilt und einem Teil Machtbefugnisse über den anderen zuweist, eine solch hierarchische Herrschaftsstruktur herausbildet. Als Beispiel gibt dieser Film eine sehr eindrucksvolle Visualisierung dieses Phänomens: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Experiment_%28Film%29">http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Experiment_(Film)</a>.<br />
[7a] Der Leiter der Ghettoverwaltung Biebow am 4.3.42 an die Gestapo Litzmannstadt.<br />
[7b] Derselbe am 19.4.43 an den Oberbürgermeister von Litzmannstadt zitiert nach: Gerhard Schoenberger: <em>Der gelbe Stern: Judenverfolgung in Europa</em>, Fischer TB, 1982, S. 79.<br />
[8] In den Nürnberger Prozessen wurde die Zahl von 30 Millionen Juden und Slawen genannt, um die man die Bevölkerung in den eroberten Gebieten reduzieren wollte (nach Leyendecker/Leb [4]).<br />
[9] Entfällt.<br />
[10] &#8230; die schon Herta Müller so ausführlich und intensiv in ihrer <em><a href="http://radiergummi.wordpress.com/2010/02/14/herta-muller-atemschaukel/">Atemschaukel</a> </em>beschrieben hat.<br />
[11] Der &#8220;Platz&#8221;, der durch diese Umsiedlungen im Ghetto entstand, wurde umgehend &#8211; und mehr als das &#8211; durch die Einquartierung von Juden aus anderen Staaten eingenommen, wie dies z.B. dem Roman <em><a href="http://radiergummi.wordpress.com/2011/07/04/tatiana-de-rosnay-sarahs-schlussel/">Sarahs Schlüssel</a></em> zugrundeliegt.<br />
<em><br />
Steve Sem-Sandberg<br />
<strong>Die Elenden von Łódź</strong><br />
aus dem Schwedischen übersetzt von Gisela Kosubek<br />
Klett-Cotta, HC, 2011, 649 S.<br />
Originalausgabe: Stockholm, 2009</em></p>
<p>Der Beitrag wurde bei <a href="https://radiergummi.wordpress.com/2011/10/19/steve-sem-sandberg-die-elenden-von-lodz/">aus.gelesen</a> erstpubliziert.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1520/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1520&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Herta Müller: Atemschaukel</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 08:37:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>synaesthetisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Leopold Auberger ist 17, als er im Winter 1945 die Nachricht erhält, dass er – gemeinsam mit vielen anderen Rumäniendeutschen aus Siebenbürgen – in ein russisches Arbeitslager deportiert werden soll. Das Lager klingt für Leopold nach Fremde, Aufbruch und Abenteuer und birgt zunächst keinen Schrecken. Doch es ist eine Extremerfahrung, die Leo bevorsteht und aus der er als alptraumgeplagter, neurotischer junger Mann zurückkehrt.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2011/12/10/herta-muller-atemschaukel/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1690&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Leopold Auberger ist 17, als er im Winter 1945 die Nachricht erhält, dass er – gemeinsam mit vielen<a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2011/12/10/herta-muller-atemschaukel/muller_atemschaukel/" rel="attachment wp-att-1694"><img class="alignright  wp-image-1694" title="müller_atemschaukel" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2011/12/mc3bcller_atemschaukel.jpg?w=117&#038;h=192" alt="" width="117" height="192" /></a> anderen Rumäniendeutschen aus Siebenbürgen – in ein russisches Arbeitslager deportiert werden soll. Das Lager klingt für Leopold nach Fremde, Aufbruch und Abenteuer und birgt zunächst keinen Schrecken. Doch es ist eine Extremerfahrung, die Leo bevorsteht und aus der er als alptraumgeplagter, neurotischer junger Mann zurückkehrt.</p>
<p><span id="more-1690"></span></p>
<p style="text-align:justify;">Herta Müller lässt Leo den Alltag des Lagers erzählen. Weil der bohrende und beißende Hunger sich in jeden Gedanken einnistet und die Vernunft zuweilen ausschaltet, zerfällt der Roman in einzelne Episoden, die anderen Lagerinsassen, der beschwerlichen Arbeit und immer wieder dem alles begleitenden „Hungerengel“ gewidmet sind. Es ist kein starres Protokoll des Lageralltags, sondern viele überaus poetische Momentaufnahmen, die in ihrer sprachlichen Schönheit scharf mit der Leere und Grausamkeit des Lagers kontrastieren.</p>
<p style="text-align:right;"><em>Es gibt Wörter, die machen mit mir, was sie wollen. Sie sind ganz anders als ich und denken anders, als sie sind. Sie fallen mir ein, damit ich denke, es gibt erste Dinge, die das Zweite schon wollen, auch wenn ich das gar nicht will.</em></p>
<p style="text-align:justify;">Da ist zum Beispiel Planton-Kati, eine geistig und körperlich zurückgebliebene Frau, die zu keiner Arbeit im Lager zu gebrauchen ist und die sich nachts an ihrem langen Zopf festhält, vielleicht, um sich weniger allein zu fühlen. Ihr Schwachsinn wird zugleich zu ihrem Glück, meint Leo, denn in ihr gibt es etwas Elementares, um das alle anderen Insassen sie beneiden – sie kann ihre Menschenwürde bewahren, wo alle anderen zu Unmenschen oder besser Nicht-mehr-Menschen werden – und nicht einmal der Hunger hat wirkliche Macht über sie.</p>
<p style="text-align:justify;">Überhaupt ist es der Hunger in Gestalt des schrecklich-schönen Hungerengels, der auf allen Seiten des Romans präsent ist. Er macht Menschen zu Mördern, Gerechte zu Ungerechten, und das Kochrezept ist sein ureigener, zynischer Witz. Der Hungerengel lässt Leo Gras und Wurzeln kauen, und als es im Winter keines mehr gibt, kaut er die Luft, die nach warmem Mehl riecht, um satt zu werden.</p>
<p style="text-align:right;"><em>Der Hungerengel hängt sich ganz in meinen Mund hinein, an mein Gaumensegel. Es ist seine Waage. Der Hungerengel stellt meine Wangen auf sein Kinn. Er lässt meinen Atem schaukeln. Die Atemschaukel ist ein Delirium und was für eines.</em></p>
<p style="text-align:justify;">Trotz aller Schönheit steht in der <em>Atemschaukel</em> kein Wort zu viel: Herta Müller schreibt voller Klarheit und beschreibt glaubwürdig einen jungen Menschen, der sich nach der Rückkehr in die Heimat selbst zu viel geworden ist. Die Freiheit ohne die starren Regeln des Lagers wird ihm zur Bürde. Der Hungerengel lässt sich wie ein teuflischer Schatten auch angesichts des gedeckten Tisches bei den Eltern nicht abschütteln. Leo verliert jede Beziehung: Er lässt sich nicht anfassen, er spricht kaum. Nur die Erinnerung ist immer bei ihm.</p>
<p style="text-align:justify;">Herta Müller war nicht selbst im russischen Arbeitslager, wohl aber ihre Mutter. Das Nachwort informiert darüber, dass Müller Gespräche mit Depotierten aus ihrem Dorf notierte und sich schließlich mit dem Lyriker Oskar Pastior zusammentat, der seine Erfahrungen ebenfalls beitrug. Eigentlich wollten sie die <em>Atemschaukel</em> gemeinsam schreiben, doch als Pastior 2006 stirbt,  steht das Projekt auf der Kippe. Müller schreibt das Buch schließlich selbst. Zum Glück.</p>
<p><em><br />
Herta Müller: Atemschaukel.<br />
2009, 300 S., 19,90 €<br />
Hanser Verlag.</em></p>
<p>Diese Rezension ist zeitgleich auf <a href="http://synaesthetisch.wordpress.com/" target="_blank">syn-ästhetisch</a> erschienen.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/autobiographie/'>Auto/biographie</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1690/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1690&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>W.G. Sebald: Austerlitz</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 04:37:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>caterina</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Austerlitz]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
		<category><![CDATA[Kindertransport]]></category>
		<category><![CDATA[W. G. Sebald]]></category>
		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Jacques Austerlitz ist ein Reisender, ein Beobachtender, ein Suchender, dem der namenlose Ich-Erzähler zum ersten Mal 1967 im Antwerpener Bahnhof begegnet, in einem Wartesaal mit dem ebenso wohlklingenden wie aussagekräftigen Namen <em>Salle des pas perdus</em>. Von da an treffen sie sich immer wieder, meist zufällig, an Orten des Wartens, in Bahnhöfen und Cafés. Nie reden sie über sich, nie über die Zufälligkeit ihrer Treffen, vielmehr referiert Austerlitz in stundenlangen Monologen über «baugeschichtliche Dinge», über Konstanten in der Geschichte der Architektur, über die Deutung und Bedeutung von architektonischen Formen. Erst dreißig Jahre nach ihrer ersten Begegnung erzählt Austerlitz von sich, von seiner Geschichte: der Geschichte einer Suche nach der eigenen Vergangenheit.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2011/12/05/w-g-sebald-austerlitz/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1639&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><strong>Geschichte eines Geschichtslosen </strong></p>
<p style="text-align:justify;"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1640" title="Austerlitz" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2011/12/austerlitz.jpg?w=126&#038;h=200" alt="" width="126" height="200" />Jacques Austerlitz ist ein Reisender, ein Beobachtender, ein Suchender, dem der namenlose Ich-Erzähler zum ersten Mal 1967 im Antwerpener Bahnhof begegnet, in einem Wartesaal mit dem ebenso wohlklingenden wie aussagekräftigen Namen <em>Salle des pas perdus</em>. Von da an treffen sie sich immer wieder, meist zufällig, an Orten des Wartens, in Bahnhöfen und Cafés. Nie reden sie über sich, nie über die Zufälligkeit ihrer Treffen, vielmehr referiert Austerlitz in stundenlangen Monologen über «baugeschichtliche Dinge», über Konstanten in der Geschichte der Architektur, über die Deutung und Bedeutung von architektonischen Formen. Erst dreißig Jahre nach ihrer ersten Begegnung erzählt Austerlitz von sich, von seiner Geschichte: der Geschichte einer Suche nach der eigenen Vergangenheit.<span id="more-1639"></span></p>
<p style="text-align:justify;">1939 wird Austerlitz – vier Jahre ist er alt – von seiner Mutter mit einem Kindertransport von Prag nach London geschickt: Es ist das letzte Mal, dass er sie sieht. Er wächst bei einem Prediger und seiner Frau in Wales auf: «An neue Kleider, die mich sehr unglücklich machten, erinnere ich mich, auch an das unerklärliche Verschwinden des grünen Rucksäckchens, und letztlich bildete ich mir sogar ein, ich erahnte noch etwas vom Absterben der Muttersprache, von ihrem von Monat zu Monat leiser werdenden Rumoren, von dem ich denke, daß es eine Zeitlang zumindest noch in mir gewesen ist wie eine Art Schatten oder Pochen von etwas Eingesperrtem, das immer, wenn man auf es Acht haben will, vor Schrecken stillhält und schweigt». Das Haus des Predigers ist ein stilles Haus, Austerlitz erhält keine Antworten auf seine stummen Fragen. Und so schließt er dieses unbestimmte Gefühl tief in sich ein.</p>
<p style="text-align:justify;">Bis in die neunziger Jahre hinein versuchte er, sich vor seiner Vergangenheit zu schützen, indem er «eine Art von Quarantäne- und Immunsystem» ausbildete, «durch das ich gefeit war gegen alles, was in irgendeinem, sei es noch so entfernten Zusammenhang stand mit der Vorgeschichte meiner auf immer engerem Raum sich erhaltenden Person». Er las keine Zeitungen und klammerte die Zeit des Zweiten Weltkrieges, den Holocaust, vollkommen aus seinen Studien aus. Er verdrängte Erinnerungen und Ängste, ohne nach ihrem Ursprung zu fragen, kehrte sich ab von der Welt und von sich selbst. Bis die Gefühle der Beklemmung, des Ausgelöschtseins ihn erdrückten und er sich auf seine Erinnerungen einließ. Er begann, Nachforschungen anzustellen und Stück für Stück seine Vergangenheit – seine Kindheit, seine Eltern – und letztlich auch sein Dasein in der Gegenwart zurückzugewinnen.</p>
<p style="text-align:justify;">Austerlitz gehört der sogenannten 1,5. Generation an, einer Generation also, die sich zwischen der ersten und der zweiten verorten lässt: Mit der ersten hat sie die Erfahrung des Holocaust gemein, gleichzeitig hat sie jedoch wie die zweite keine direkte Erinnerung an das Erlebte. Das Gedächtnis hat die Geschehnisse allenfalls unbewusst, unreflektiert aufgenommen oder gar verdrängt und ist daher ebenso lückenhaft und ambivalent wie das der nachfolgenden Generation, die sich die Vergangenheit aus den fragmentarischen Erzählungen und mehr noch aus dem Schweigen ihrer Eltern rekonstruieren muss. Im Falle von Austerlitz (stellvertretend für eine ganze Generation von «abgesonderten» Kindern, die mit dem Kindertransport zwar dem Tod, aber auch der eigenen Familie entrissen wurde) ist das Schweigen der Eltern ein absolutes, der Zugang zu ihrem Gedächtnis verwehrt, niemand ist da, den man befragen könnte. Wie ist es angesichts dieser Leerstelle möglich, ein stabiles Selbst zu entwickeln? Die Identität ist leer, schreibt der britische Literaturwissenschaftler Robert Eaglestone, wenn sie über keine Erinnerungen verfügt.</p>
<p style="text-align:justify;">Beeindruckend ist nicht nur das Erzählte, diese Geschichte eines Geschichtslosen, sondern auch die Erzählung, die sich jeder der Lesbarkeit dienenden Konventionalität verweigert: Es gibt keine Absätze geschweige denn Kapitel, der Roman von W. G. Sebald ist ein 420-seitiger Fluss von Sätzen, in den sich einzig und allein ein paar Schwarzweißfotos schieben – meist von architektonischen Details, von Unbelebtem, von Dingen oder Menschen, die Austerlitz’ Weg säumen. Keine Anführungszeichen oder vergleichbare visuelle Indizien markieren das Gesprochene (dabei ist beinahe der gesamte Text nichts anderes als Gesprochenes), im Grunde wird alles in indirekter Rede vom Ich-Erzähler wiedergegeben, so dass Konstruktionen entstehen wie «sagte Věra, sagte Austerlitz». Erzählebenen und Figuren berühren sich, werden durchlässig, gehen ineinander über. Dennoch verliert der Leser nur ganz selten, für einen kurzen Augenblick, den Faden: Trotz aller typografischer Geschlossenheit – ‚Blockhaftigkeit’ möchte ich sagen –, die das durchgehend monologartige Erzählen zu visualisieren scheint, selbst trotz der verschachtelten, durch Nebensätze und Wortgruppen vielfach gebrochenen Sätze ist dieses erzählerische Meisterwerk auf wundersame Weise wunderbar lesbar.</p>
<p style="text-align:justify;"><em>Austerlitz</em> ist ein außergewöhnlicher Roman, der auf eindrucksvolle Weise zeigt, wie bruchstückhaft und widersprüchlich die individuelle Erinnerung an die Shoah ist. Gleichzeitig zeigt er jedoch, dass jede einzelne dieser Erinnerungen nicht nur wertvoll, sondern notwendig ist, um die Gegenwart und die Zukunft darauf aufzubauen. Das Geschehene nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ist Sebalds Anliegen: im letzten Buch <em>Austerlitz</em> ebenso wie in seinem gesamten vorherigen Schaffen als Schriftsteller und Essayist. Sebald ist nicht jüdischer Abstammung, sein Vater tritt 1929 der Armee bei, bleibt dort auch dann noch, als die Nazis die Macht ergreifen, und wird schließlich französischer Kriegsgefangener. Der Holocaust stellt ein Tabuthema in der Familie dar, der 1944 geborene Sebald wird nie erfahren, inwieweit sein Vater involviert war und was seine Eltern wussten und sahen. Gegen dieses Schweigen, das Schweigen des deutschen Volkes, das sich nur unzureichend bemüht, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, schreibt Sebald ein Leben lang an: «although I was born ‹late› and consequently was spared direct responsibility», sagt er einmal in einem Interview, «I naturally feel at the same time that this is where my origins lie».</p>
<p style="text-align:justify;">W. G. Sebald<br />
<em>Austerlitz</em><br />
Hanser 2011, 424 Seiten</p>
<p style="text-align:justify;"><em>Die Rezension ist zeitgleich auf <a href="http://caterinaseneva.wordpress.com/2011/12/05/geschichte-eines-geschichtslosen/" target="_blank">SchöneSeiten</a> erschienen.</em></p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Nachtrag vom 14. Dezember:</strong> Lesenswert ist der Essay «Enzyklopädie der Melancholie» von René Steininger, der heute anlässlich des zehnten Todestages von W. G. Sebald im Magazin <a title="Glanz &amp; Elend" href="http://www.glanzundelend.de/Artikel/wgsebald.htm" target="_blank"><em>Glanz &amp; Elend</em></a> erschienen ist.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1639/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1639&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Eshkol Nevo: Vier Häuser und eine Sehnsucht</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 09:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Eshkol Nevo]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
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		<category><![CDATA[Vier Häuser und eine Sehnsucht]]></category>

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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Dieses Romandebüt des 1971 in Jerusalem geborenen Eshkol Nevo erregte nicht ohne Grund nach seinem Erscheinen in Israel sowohl bei der Kritik als auch bei den Lesern erhebliches Aufsehen. Nevo erzählt die Geschichte und den Alltag einiger Menschen und es gelingt ihm, mit diesen wenigen, sicher nicht repräsentativen Figuren ein Gesellschaftsbild <em>en miniature</em> zu malen: das Bild einer zerrissenen Gesellschaft, die um ihr Überleben kämpft. Sie sieht sich mit traumatischen und sich der Gegenwart permanent in den Weg stellenden Vergangenheiten konfrontiert und ist dennoch von einer Sehnsucht durchzogen, die die Menschen am Leben hält und sie die Hoffnung nicht verlieren lässt.</p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2011/11/30/eshkol-nevo-vier-hauser-und-eine-sehnsucht/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1626&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1628" title="" src="http://juedischelebenswelten.files.wordpress.com/2011/11/nevo.jpg?w=120&#038;h=200" alt="" width="120" height="200" />Dieses Romandebüt des 1971 in Jerusalem geborenen Eshkol Nevo erregte nicht ohne Grund nach seinem Erscheinen in Israel sowohl bei der Kritik als auch bei den Lesern erhebliches Aufsehen. Nevo erzählt die Geschichte und den Alltag einiger Menschen und es gelingt ihm, mit diesen wenigen, sicher nicht repräsentativen Figuren ein Gesellschaftsbild <em>en miniature</em> zu malen: das Bild einer zerrissenen Gesellschaft, die um ihr Überleben kämpft. Sie sieht sich mit traumatischen und sich der Gegenwart permanent in den Weg stellenden Vergangenheiten konfrontiert und ist dennoch von einer Sehnsucht durchzogen, die die Menschen am Leben hält und sie die Hoffnung nicht verlieren lässt.<span id="more-1626"></span></p>
<p style="text-align:justify;">Eshkol Nevo platziert die Geschichte um den für die israelische Gesellschaft traumatischen Attentatstod von Premierminister Rabin am 5. November 1995. Mit diesem Mann und mit seiner Politik verbanden sich für Israelis und Palästinenser Hoffnungen darauf, dass das gespannte Verhältnis zwischen ihnen endlich entschärft würde, nachdem auch viele Kriege seit 1948 keine Lösung gebracht hatten. Nun, nach seinem Tod, scheinen diese Hoffnungen jäh zerstoben.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Ort, in dem Nevos Figuren leben, heißt Castel und ist ein Vorort von Jerusalem. Da ist das eine Haus, ein Haus mit Geschichte, wie wir später sehen werden. Es wird bewohnt auf der einen Seite von Mosche und Sima und auf der anderen Seite von dem Studentenpaar Noa und Amir. In der Wand, die die zwei Wohnungen voneinander trennt, ist ein kleines Loch, damit man von beiden Seiten an den wichtigen Hebel für das warme Wasser herankommt. So sind die Wohnungen akustisch miteinander verbunden, was die beiden Paare am Leben des jeweils anderen notgedrungen teilhaben lässt und manches Mal zu delikaten Situationen führt.</p>
<p style="text-align:justify;">Nevo beschreibt auf eine faszinierende und sehr einfühlsame Weise die Beziehungen dieser Paare: ihre innerpartnerschaftlichen Probleme und ihre unterschiedlichen Begegnungen miteinander. Sima und Noa freunden sich an und erzählen sich viel voneinander. Dabei erfahren wir, dass Mosche zu Simas Leidwesen immer frommer wird und die gemeinsame Tochter unbedingt in einen orthodoxen Kindergarten bringen will. War Noas und Amirs Beziehung zu Beginn noch geprägt von heftiger Leidenschaft, erlebt vor allem Noa das erste Zusammenleben mit einem Mann als beengend und will ausbrechen.</p>
<p style="text-align:justify;">Über Mosche und Sima wohnen deren Eltern, aus Kurdistan stammende Juden, die noch sehr ihrer ehemaligen Heimat und den dortigen Sprach- und Lebensgewohnheiten verbunden sind. Im Nachbarhaus gegenüber wohnt eine Familie, deren Sohn Gidi im Libanon gefallen ist und in der sich alles um dieses furchtbare Unglück dreht. Gidis kleiner Bruder Jotam freundet sich mit Amir an, der für den Jungen väterliche Gefühle entwickelt. Und dann ist da noch Ssadeq, ein älterer Palästinenser, der auf einer Baustelle im Viertel arbeitet und einen Schlüssel zu Mosches und Simas Haus besitzt. Denn vor 1948 gehörte es seiner Familie, und er muss für seine alte Mutter unbedingt etwas aus dem Haus holen.</p>
<p style="text-align:justify;">Nevo schildert die Ereignisse mit einer Sprache von eigentümlicher Schönheit, geprägt von großem Respekt vor seinen Figuren und ihren jeweiligen Leiden und ihren Sehnsüchten. Neben den Figuren, die abwechselnd in der Ich-Form sprechen, gibt es eine Erzählerstimme, die uns &#8211; im Rhythmus fünfhebiger Trochäen &#8211; durch wesentliche Teile des Buches führt. Diese von Anne Birkenhauer genial ins Deutsche übertragenen Verse, sind ein wahrer Lesegenuss.</p>
<p style="text-align:justify;">Und so lässt Eshkol Nevo mit nur wenigen Stimmen ein Klangbild entstehen, das uns ein jüdisch-palästinensisches Universum zeigt, voller Leiden, Nöten, aber auch voller Leidenschaft und Sehnsucht. Mit diesem sehr empfehlenswerten Buch hat sich eine neue Stimme aus Israel gemeldet, von der man hoffentlich noch mehr hören wird.</p>
<p style="text-align:justify;"><em>Wir danken unserem Gastautor Winfried Stanzick für diese Rezension.</em></p>
<p>Eshkol Nevo<br />
<em>Vier Häuser und eine Sehnsucht</em><br />
dtv 2007, 435 Seiten</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1626/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1626&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Peter Härtling: Felix Guttmann</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 05:07:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>flattersatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[.Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[Felix Guttmann]]></category>
		<category><![CDATA[Judenverfolgung]]></category>
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		<description><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Kurz nach der Jahrhundertwende wird im Jahr 1906 in Breslau Felix Guttmann geboren. Er ist das einzige Kind eines liberalen jüdischen Tuchhändlers und seiner Frau, die es zu bescheidenem Wohlstand gebracht haben. Das Reglement im Haus ist streng, der Vater ist die unumstrittene Herrscherfigur, die Mutter spielt im Leben des Jungen kaum eine Rolle, tritt auch gegenüber dem Mann kaum in Erscheinung. In dieser Umgebung wird Felix groß, oder sagen wir richtiger, wächst er auf, denn groß wird er nicht, er bleibt ein schmächtiges Jüngelchen, das sich gegen die Spielkameraden im Hof kaum durchsetzen kann. Schlimm wird es, als 1914 der Weltkrieg ausbricht, der nachher der "Erste" genannt werden sollte: Ihm kam die Rolle des Feindes zu, des Franzmanns, des Russen, weil er doch der Jud war, bei dessen Schwänzel etwas fehlt, so kreischen sie ihn an. </p> <a href="http://juedischelebenswelten.wordpress.com/2011/11/25/peter-hartling-felix-guttmann/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#187;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1517&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-10717 alignright" title="felix" src="http://radiergummi.files.wordpress.com/2011/09/felix.jpeg?w=750" alt=""   /></p>
<p style="text-align:justify;">Kurz nach der Jahrhundertwende wird im Jahr 1906 in Breslau Felix Guttmann geboren. Er ist das einzige Kind eines liberalen jüdischen Tuchhändlers und seiner Frau, die es zu bescheidenem Wohlstand gebracht haben. Das Reglement im Haus ist streng, der Vater ist die unumstrittene Herrscherfigur, die Mutter spielt im Leben des Jungen kaum eine Rolle, tritt auch gegenüber dem Mann kaum in Erscheinung. Dass sie, wenn der Mann mit dem Essen fertig ist, das Recht hat, ungefragt zu reden, ist kennzeichnend für ihre Rolle. Dann ist da noch Elena im Haus, der gute Geist, die einzige Person, von der der kleine Felix so etwas wie Zuwendung erfährt. Aber wir wollen ihn nicht allzu sehr bedauern, auch wenn seine Kindheit in dieser Beziehung nicht sehr reich war. Ferner dürfen wir Onkel Jona nicht vergessen, den körperreichen Schneider, den er so gerne besucht und ihm, unter dem Tisch sitzend, bei seinen Erzählungen zuhört. Bei ihm fühlt sich der kleine Felix wohl, dies soll so bleiben, bis Onkel Jona viele Jahre später dem Moloch zum Opfer fällt.</p>
<p style="text-align:justify;">In dieser Umgebung wird Felix groß, oder sagen wir richtiger, wächst er auf, denn groß wird er nicht, er bleibt ein schmächtiges Jüngelchen, das sich gegen die Spielkameraden im Hof kaum durchsetzen kann. Einmal macht er die Erfahrung, dass klug gesetzte Worte einen Streit vermeiden und ihn als &#8220;Sieger&#8221; hervorgehen lassen können, ansonsten ist er eher geduldet unter den gleichaltrigen Kindern. Schlimm wird es, als 1914 der Weltkrieg ausbricht, der nachher der &#8220;Erste&#8221; genannt werden sollte: Ihm kam die Rolle des Feindes zu, des Franzmanns, des Russen, weil er doch der Jud war, bei dessen Schwänzel etwas fehlt, so kreischen sie ihn an.</p>
<p style="text-align:justify;">So wird der hochintelligente Knabe vorwiegend alleine groß, in einer Phantasiewelt, die er sich schafft, in der er lebt und die er auch seinen Eltern vorlebt. In der Schule hat er keine Schwierigkeiten mit dem Lernen, nur Freunde findet er nicht. Bis, ja bis der Neue kommt, den es nach Breslau verschlagen hat, der Casimir Liebstock, ein hochgeschossenes, dürres Stück Mensch. Die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen, doch beschränken sie sich, um die Spannung zu steigern, für die ersten Wochen auf einen Briefverkehr, der ihrer beider Leben darlegt; bei der persönlichen Begegnung in der Klasse oder auf dem Hof geben sie sich fremd. Es soll eine Freundschaft werden zwischen den beiden auf Lebenszeit.</p>
<p style="text-align:justify;">Obwohl körperlich klein geblieben, merkt Felix schnell, dass die Mädels, später dann die Frauen, ihn mögen. Er erwidert dies. Und so teilen sie jede für sich, manchmal gleichzeitig, eine Lebensstrecke mit Felix: Irene, Mirijam, Katja, Laura und Olga&#8230; in Breslau, später dann in Berlin, wohin er zum Studium der Rechte geht, nicht ohne vorher seinen Vater davon überzeugen zu müssen. Im Kreis um Casimir und Laura wird politisch gedacht, Felix hält sich zurück, teilt vielleicht ihre Ansichten und ihre Ablehnung des herrschenden Regimes und des sich am Horizont abzeichnenden Unglücks, wiegelt aber gerne ab, es wird schon nicht so schlimm werden, Hitler in Haft, er wird doch kaum zurückkommen&#8230; Felix zieht sich in die Rolle des Beobachters zurück, wenn überhaupt, mehr verdrängt er eigentlich, als dass er beobachtet, was um ihn herum geschieht. Zusammen mit Mirijam durchstreift er die Berliner Nächte in Theatern, Shows und Kabaretts, das ist seine Welt hier, dort fühlt er sich wohl. Dieses Sich-nicht-festlegen-wollen, Sich-nicht-einbinden-lassen-wollen, beherrscht auch seinen privaten Bereich. So sehr er auch liiert ist, die Frage nach der Hochzeit, dem Heiraten, beantwortet er immer mit &#8220;Nein&#8221;, auch um den Preis der Trennung.</p>
<p style="text-align:justify;">Das Studium geht ihm gut von der Hand, er wird zum Doktor der Rechte, macht sich selbstständig mit einer Kanzlei. Sein erster Fall, ihm von einem ihn protegierenden Kollegen vermittelt, ist gleich ein politischer, sein grenzdebiler Mandant wird verurteilt und suizidiert sich später. Felix verlegt sich in der Folge auf Scheidungen&#8230; Dann wird ein Gesetz erlassen, dass jüdischen Anwälten die Lizenz entzieht, Felix steht (wie viele andere) vor dem beruflichen Aus [5]. Jetzt kann selbst Felix nicht mehr verdrängen, zumal das Straßenbild immer brauner wird. Die Freunde, immer noch Freunde, müssen fliehen, werden verfolgt, Casimir muss außer Landes gehen, Laura verschwindet&#8230; Sommerfeld, sein anwaltlicher Protegé, nimmt ihn mit zu jüdischen Organisationen, und jetzt, in der Verfolgung, fängt Felix an, sich als Jude zu begreifen. Er arbeitet im Palästinaamt, in dem Ausreisen von Juden organisiert werden, nicht ohne, dass ihnen vorher noch das Letzte abgepresst wird. Aber immerhin, noch lässt man sie um ihr irdisches Vermögen erleichtert, gehen. In letzter Minute, nach einem Termin bei Eichmann, in dem er über Casimir ausgefragt wird, kann auch Felix das Land noch verlassen. Die nächste Dekade seines Lebens verbringt er in Israel, mit einem israelischen Pass wird er in US-Uniform Deutschland 1948 wieder betreten. Er bleibt in Deutschland, arbeitet in Frankfurt als Rechtsanwalt, heiratet sogar, diesmal. Felix Guttmann stirbt 1977, eine Straßenbahn erfasst ihn und schleift ihn mit sich.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Roman Härtlings umfasst nach der Kapiteleinteilung die Jahre 1906 bis 1977, jedoch ist die Zeit nach Felix&#8217; Flucht 1937 nur sehr andeutungsweise ausgeführt. So gibt das Buch eher ein Bild des Deutschland in dunkler und in seiner schwärzesten Zeit. Härtling verliert sich aber nicht in Details, er hält ebenso wie sein Held Abstand, deutet an, nennt Namen, aber wenn man diese Namen, so sie einem nichts sagen, googelte, bekäme man eine Zeitgeschichte Deutschlands zustande. So bin ich z.B. hier auch den Rexinger Juden wiederbegegnet, die mich neulich an anderer Stelle überraschten [4]. Stimmungen transportiert Härtling leise, aber eindringlich, ein Geschichtsunterricht der besonderen Art.</p>
<p style="text-align:justify;">Felix Guttmann ist kein reines Kunstprodukt, ihm liegt eine reale Person zugrunde, eine Person, die ihm nach &#8220;langer, vaterloser Zeit den Vater ersetzt hat&#8221;. Denn Härtling bringt sich als Erzähler selbst ein in diesen Roman, versucht, sein Verhältnis zu klären zu Felix, den er geschaffen hat und der ein Eigenleben entwickelte im Lauf der Zeit und dessen Verhältnis zu der realen Person, die er dichterisch vertreten soll. So fließt auch Biographisches ein in das Werk, das kalte Verhältnis zum Vater etwa. Aber da ich hier auch nur Angelesenes nachplappere, verweise ich in dieser Beziehung einfach auf die einschlägige Literatur [1-3 zum Beispiel].</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Facit</strong>: Ein leiser und intensiver Roman über das Schicksal eines Einzelnen, der unpolitisch sein wollte, der sich aber den Zeitläuften nicht entziehen konnte.</p>
<p style="text-align:justify;">[1] <a href="http://www.hr-online.de/website/specials/literaturland/index.jsp?rubrik=56825&amp;key=standard_document_39279219" target="_blank">Bericht des hr</a> über die Person, die dem Felix Guttman zugrunde liegt.<br />
[2] <a href="http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/HaertlingPeter" target="_blank">Biographisches zu Härtling aus der BücherWiki</a>.<br />
[3] Eine <a href="http://www.zeit.de/1985/42/zeithistorisches-patchwork" target="_blank">Buchkritik in der <em>Zeit</em></a>.<br />
[4] Wenn der Roman sich hier an die historische Wahrheit hält, war Felix Guttmann an der <a href="http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2011/kehrwoche-shavei-zion-11791" target="_blank">Ausreise eines ganzen Dorfes nach Palästina</a> beteiligt.<br />
[5] Eine Dokumentation über die betroffenen jüdischen Anwälte in Berlin ist in Buchform erschienen: Simone <strong>Ladwig-Winters</strong>: <em>Anwalt ohne Recht. Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933</em>, be.bra Verlag, 2007.</p>
<p style="text-align:justify;">Der Beitrag wurde in gleicher Form bei <a href="https://radiergummi.wordpress.com/2011/09/23/peter-hartling-felix-guttmann/">aus.gelesen</a> erstpubliziert.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/'>.Literatur</a>, <a href='http://juedischelebenswelten.wordpress.com/category/literatur/roman/'>Roman</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/juedischelebenswelten.wordpress.com/1517/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=juedischelebenswelten.wordpress.com&amp;blog=22587410&amp;post=1517&amp;subd=juedischelebenswelten&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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