Eigentlich wollte ich die Vorstellung des Buches von Semprún [12] in etwa wie folgt beginnen: Das Buch handelt von den Erinnerungen eines jungen Mannes an eine lange Eisenbahnreise in einem überfüllten Waggon. Während dieser langen, langweiligen und unbequemen Reise kommen ihm Gedanken an seine Vergangenheit, die noch nicht reich an Jahren, jedoch an Ereignissen ist. Er erzählt diese Reise aus der Rückschau, sechzehn Jahre nachdem er sie getätigt hat, und so flicht er auch die Begebnisse ein, die sich am Ende der Reise, das inmitten Deutschlands lag, ereigneten. – Aber das würde dem Buch und dem Inhalt nicht gerecht werden. Also fange ich noch einmal von vorne an…
“Da, wo Chamottefabriken stehn / – Motorgebrumm – / da kannst du einen Friedhof sehn, / mit Mauern drum.” Chamottefabriken findet man heute nicht mehr in Weißensee, Motorgebrumm umso mehr. Die Mauern um den größten noch bestehenden jüdischen Friedhof Europas stehen auch noch heute auf festem Grund. Wenn man an einem kalten Wintertag einen Spaziergang nach Weißensee macht, nehmen die vielen tausende Grabsteine die volle Aufmerksamkeit in Anspruch.
Frankfurt verfügt über drei größere, für Besucher zugängliche Friedhöfe, von denen die zwei neueren, die beide an den Frankfurter Hauptfriedhof grenzen, in der folgenden Fotogalerie zu sehen sind. Während der alte Friedhof in der Rat-Beil-Straße einen gewissen Charme ausstrahlt dank der moosbedeckten, schiefen, teils beschädigten, teils umgestürzten Grabdenkmäler, die manches Mal wie beliebig verstreut wirken, fällt der Neue Jüdische Friedhof durch seine Geradlinigkeit, seine aufgeräumte Ordentlichkeit auf.
Am 3. September 2010 wurde die Neue Synagoge in Mainz eröffnet. Ich war damals dort und habe geduldig in der langen Schlange gewartet, um mir diesen wunderbaren, imposanten Bau anzuschauen. Ich glaube, auch die Hausherren waren von dem Andrang völlig überrascht. Zum Jahrestag möchte ich hier einfach nur einige Bilder einstellen, die ich damals gemacht habe.
“I have this sense that when you disrobe and go into the mikvah you’re peeling off all façade, all pretense, there’s nothing you can hide, not from yourself and not from God.” [5] Weiterlesen
Das United States Holocaust Memorial Museum hat eine bemerkenswerte Initiative ins Leben gerufen. Unter dem Titel Remember me haben Mitarbeiter des Museums 1100 Fotografien von Kindern und Jugendlichen zusammengetragen, die im Laufe der nationalsozialistischen Vernichtungsorgie von ihren Familien getrennt wurden, versteckt überleben konnten oder als Waisen endeten.* Die Bilder wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von verschiedenen Hilfsorganisationen gemacht, um es Angehörigen zu erleichtern, ihre Kinder wiederzufinden.
Der alte jüdische Friedhof von Nassau/Lahn befindet sich ein paar Hundert Meter außerhalb des Ortes an der vielbefahrenen B417, die durch das Lahntal Richtung Obernhof sowie Diez und Limburg führt. Er ist wohl noch im 18. Jhdt (einer anderen Quelle nach um 1856) gegründet worden und in zwei Teile gegliedert. Die Grabstätten sind zum größten Teil verfallen, es scheinen auch Grabsteine mit in die Bruchsteinmauer eingebaut worden zu sein. Trotz seines offensichtlichen langsamen Verfalls ist es ein guter Ort, innezuhalten und sich zu sammeln und sich wahrzunehmen.