Reblogged from lesewelle: Mordechai Wolkenbruch, schlicht Motti genannt, ist fünfundzwanzig Jahre alt und orthodoxer Jude. Seine Mutter führt in der Familie das Regiment und befindet, dass es Zeit wäre, dass auch ihr Jüngster endlich heiraten sollte. Heiratswillige jüdische Kandidatinnen gibt es genügend und gar manches Treffen mit anderen Müttern und ihren Töchtern finden nicht ganz zufällig statt. Doch … Weiterlesen
Reblogged from lesewelle: Bertold Brecht an Oskar Maria Graf: Als das Regime befahl, Bücher mit schädlichem Wissen Öffentlich zu verbrennen, und allenthalben Ochsen gezwungen, Karren mit Büchern Zu den Scheiterhaufen zu ziehen, entdeckte ein verjagter Dichter, einer der Besten, die Liste der Verbrannten studierend, entsetzt, dass seine Bücher vergessen waren. Er eilet zum Schreibtisch, zornbeflügelt, … Weiterlesen
Er war wohl einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Judentums des 20. Jahrhunderts, der Rabbiner Leo Baeck, dessen Leben die Autorin Waldtraut Lewin in dieser beeindruckenden Romanbiographie eingefangen hat. In einem gelungenen Wechsel schiebt sie immer wieder dokumentarische Teile ein in die literarisch anspruchsvoll geschilderte Lebensgeschichte eines Mannes, der, als die Nazis 1933 an die Macht kommen, schon lange einer der einflussreichsten Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland war.
Was wäre, wenn jungen Leuten die Chance eröffnet würde, Fragen an Menschen jüdischer Herkunft bzw. Experten zu richten und unter Einsatz moderner Medien selbst ein Projekt durchzuführen? Die Konrad-Adenauer-Stiftung möchte dies Wirklichkeit werden lassen. Jugendliche und junge Erwachsene können an unserem Kreativwettbewerb “Jüdisches Leben heute” teilnehmen, welcher ihnen eine neue Perspektive auf das jüdische Leben verspricht. Sie sollen sich gestalterisch oder dokumentarisch mit jüdischem Leben heute befassen: sei es mit Videos, Animationen, Grafik-Designs, Musikstücken, Homepages, Zeichnungen oder auch Texten.
Sima Vaisman wurde 1903 in Bessarabien, dem heutigen Moldawien geboren. Nach einem Medizinstudium (Gynäkologie) in Bukarest wanderte sie anfangs der 1930er-Jahre nach Paris aus. Da sie nicht die nötigen Geldmittel zur Verfügung hatte, um nochmals Medizin zu studieren, arbeitete sie schließlich als Zahnärztin. 1930 heiratete sie Pinkas Vaisman, der 1937, gerade dreiunddreißigjährig, starb. Anfangs des Zweiten Weltkrieges flüchtete sie nach Lyon. Im Dezember 1943 wurde sie in Maçon verhaftet und im Januar 1944 nach Auschwitz deportiert.
Es gibt Bücher, die lassen dich mit unzähligen Fragen zurück. Die lösen in dir etwas aus, ohne dass du dieses Etwas greifen kannst. Bücher, die dich regelrecht sprachlos machen; du willst etwas über sie sagen, aber du weißt nicht, was. Oder wie. Dabei scheinen sie dich geradezu aufzufordern, den Mund aufzumachen und Stellung zu beziehen. Das Eigentliche der deutschen Schriftstellerin Iris Hanika, deren Debütroman Treffen sich zwei 2008 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gewählt wurde, ist ein solches Buch. Es hat nichts Geringeres als das Gedenken an die Verbrechen der Nationalsozialisten zum Gegenstand, und obwohl ich mich mit diesem Thema schon auf vielfältige Weise befasst habe, fällt mir der Zugang zu diesem Text schwer. Und noch schwerer fällt es mir, meine Leseeindrücke in die wohlgeordnete Form einer Rezension zu bringen.
In einer von autobiographischen Reminiszenzen nicht freien Geschichte erzählt der jüdische Autor David Bezmozgis von der jüdisch-lettischen Familie Krasnansky aus Riga, die 1978 aus der Sowjetunion ausreist, ohne im Westen ein genaues Ziel zu kennen. Anders als viele Autoren, die den Schwerpunkt ihrer Auswanderungsgeschichten, seien sie nun von Juden erzählt oder von anderen, auf die schwierige Ankunft und die problematische Integration am neuen Zufluchtsort legen, geht es in David Bezmozgis’ Roman um jene fünf Monate, die die Familie Krasnansky in ihrem Transitland Italien an einem Ort in der Nähe von Rom verbringt.
Josha Zwaan wurde 1963 geboren, sie schreibt für Zeitungen und Zeitschriften und arbeitet als Coach und Prozessbegleiterin. Ein Thema, mit dem sie sich lange beschäftigt hat, ist das Schicksal jüdischer Kinder, die den Holocaust in christlichen Pflegefamilien überlebt haben und anschließend nicht in ihre ursprüngliche Familie zurückgekehrt sind. Parnassia – ihr Debütroman – widmet sich genau diesem Thema und beruht auf historischen Begebenheiten.
“Der Erzähler Raphaël Schlemilovitch ist ein halluzinierender Held. Durch seine Gestalt wandern und kreisen auf rasenden Bahnen tausend Leben, die seine eigenen sein könnten, in einer aufwühlenden Phantasmagorie.” So kündigt Patrick Modiano dem Leser seinen Ich-Erzähler an, und bevor man also dessen Erlebnissen lauschen kann, ist eines klar: Dies ist ein besonderer Held. Keine festgefügte Person mit bestimmten Eigenschaften, nicht mal ein eindeutiger Charakter, sondern eine menschliche Hülle mit sprechendem Namen (der unglückliche Jude, der stets vom Pech verfolgt wird), die ihre Rollen wie das frische Hemd am Morgen wechselt.
Die hier vorliegenden Erinnerungen von Ari Rath, eines 1925 in Wien geborenen Juden, der nach seiner Emigration 1938 nach Palästina über viele Jahre aktiv in der Kibbuzbewegung tätig war, sind eindrucksvoll und bewegend. Ab 1958 arbeitete er als Redakteur, ab 1975 dann als Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post, die unter seiner Leitung zu einer weltweit anerkannten und in ihrer politischen Haltung geschätzten englischsprachigen Zeitung in Israel wurde.
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